Ausland

Dänemark bekommt eine neue Links-Mitte-Regierung aus vier Parteien unter der bisherigen sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.

Fast zehn Wochen nach der Parlamentswahl teilte sie König Frederik X. gestern am späten Abend mit, eine Koalition aus Sozialdemokraten, sozialistischer Volkspartei (SF), der linksliberalen Radikale Venstre und der Partei Moderaterne der politischen Mitte bilden zu wollen.

„Ihre Majestät der König hat die geschäftsführende Ministerpräsidentin Mette Frederiksen daraufhin aufgefordert, eine solche Regierung zu bilden“, hieß es in einer Mitteilung des dänischen Hofs.

Minderheitsregierung mit 82 Sitzen

Die vier Parteien haben im dänischen Parlament zusammen 82 Sitze. Für eine Mehrheit sind 90 Sitze nötig. Eine Minderheitsregierung ist in Dänemark normal – sie darf nur keine Mehrheit gegen sich haben.

Damit das der Fall ist, benötigt die neue Regierung die Unterstützung beispielsweise der elf Mandate der linken Partei Enhedslisten. Die Partei kündigte gestern Abend auf Facebook an, „morgen große Neuigkeiten für Dänemark“ zu haben. Für Frederiksen ist es nach 2019 und 2022 die dritte Amtszeit.

US-Präsident Donald Trump hat bei seinen Bemühungen zum Ausschluss von Transmenschen aus dem Militär eine Teilniederlage kassiert. Die US-Regierung dürfe jene Kläger, die vor Gericht gezogen waren, nicht aus dem aktiven Militärdienst entfernen, hieß es gestern in einer Begründung eines Berufungsgerichtes in Washington.

Das Verbot bleibt allerdings zunächst in Kraft, um der Regierung die Möglichkeit zu geben, Rechtsmittel einzulegen. Die Mehrheit der Richter des Berufungsgerichtes folgte damit teils einer Entscheidung einer unteren Instanz.

Diese war überzeugt, dass der Ausschluss von Transmenschen gegen das Verfassungsgebot – dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich behandelt werden müssen – verstoße. Die Richtlinie, die nach Verteidigungsminister Pete Hegseth benannt ist, beruhe „zumindest teilweise auf einem unzulässigen staatlichen Interesse, der politisch unpopulären Gruppe der Transgender-Personen zu schaden“, hieß es in der jetzigen Begründung.

Transmenschen identifizieren sich nicht mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde. Eine frühere Richtlinie des Pentagon untersagte die Diskriminierung aufgrund von Geschlechteridentität.

Peter Mandelson zum britischen Botschafter in den USA zu machen war wohl die folgenschwerste Entscheidung Keir Starmers. Beinahe wäre der britische Premier über die Affäre gestürzt, denn er hatte einräumen müssen, dass er Mandelsons Verbindungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gekannt hatte.

Gestern veröffentlichte Regierungsdokumente werfen nun ein Schlaglicht auf den Berufungsprozess und wirken im Rückblick teils bizarr. So beteuerte Mandelson in einem handgeschriebenen Brief an den damaligen Außenminister David Lammy, er werde „es nie bereuen“, sollte er ihn zum Botschafter in Washington machen.

Die Dokumente zeigen zudem peinliche Lästereien von Regierungsmitgliedern und Mandelson, wie sie über Starmer und Kabinettskollegen herzogen.

Ermittlungen laufen

Wie eng das Verhältnis des Labour-Veteranen Mandelson zu Epstein war, wurde im vergangenen Jahr durch die vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten offenbar. Starmer entließ Mandelson nach den Enthüllungen. Doch Fragen zum Berufungsprozess und wie viel der Premier wirklich wusste, hängen dem angeschlagenen Regierungschef seitdem nach.

Gegen Mandelson ermittelt inzwischen die Polizei wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens im Amt. Der 72-Jährige steht im Verdacht, während seiner Zeit als Wirtschaftsminister unter Ex-Premier Gordon Brown vertrauliche Informationen an den Finanzier Epstein weitergeleitet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Florida hat eine Klage gegen den ChatGPT-Entwickler OpenAI und dessen Chef Sam Altman eingereicht. Die Justiz wirft dem Konzern, der Anwendungen für künstliche Intelligenz (KI) entwickelt, die Gefährdung minderjähriger Nutzer und Nutzerinnen vor.

„Wir gefährden unsere Kinder und täuschen Eltern, indem wir ihnen vorgaukeln, die Anwendung sei sicher – was sie eindeutig nicht ist“, sagte Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier gestern. Er forderte eine Strafe in Höhe von 10.000 Dollar (umgerechnet 8.600 Euro) pro Verstoß.

„Wir wissen, dass ChatGPT süchtig machen kann. Die Anwendung imitiert Empathie und menschliche Eigenschaften, um Nutzer dazu zu bringen, ihr mehr und mehr Informationen zu geben“, fügte Uthmeier hinzu. „Menschen werden verletzt, Eltern getäuscht, und sie müssen dafür bezahlen.“

Altersverifizierung fehlt

Der Staatsanwalt kritisierte zudem das Fehlen einer Altersverifizierung für die App. „Obwohl die Nutzung von ChatGPT durch Minderjährige, darunter auch Kinder im vorpubertären Alter, öffentlich bekannt ist, haben die Beklagten keine Maßnahmen ergriffen, um deren Nutzung von ChatGPT zu verhindern“, führte Uthmeier aus.

Die Nutzung von ChatGPT ist für Kinder unter 13 Jahren verboten, im Alter von 13 bis 17 ist die Zustimmung der Eltern erforderlich. Eine formelle Altersverifikation ist aber nicht erforderlich. Stattdessen hatte OpenAI im Jänner ein System eingeführt, das das Alter der Nutzer schätzen und das Verhalten der App entsprechend anpassen soll.

Ukraine-Krieg

Der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, hält nach eigenen Angaben ein Abkommen zur Beendigung des Krieges noch vor dem Winter für machbar. Es sei die Anweisung des Präsidenten, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, wenn irgendwie möglich noch vor dem Winter, sagte Budanow gestern.

„Meiner Meinung nach ist das absolut richtig, rechtzeitig und realistisch.“ Er erwarte in Kürze den Besuch einer US-Delegation in Moskau und Kiew.

Nach Selenskyjs Worten ist die Lage an den Fronten derzeit stabil. Einen entsprechenden Rapport habe er von Oberkommandeur Olexandr Syrskyj bei einer Stabssitzung entgegengenommen, schrieb Selenskyj auf Facebook. „Die ukrainischen Positionen sind stark, und das ist ein Ergebnis, das unser Staat dringend benötigt“, betonte er. Das werde auf jeden Fall die diplomatischen Bemühungen Kiews um eine friedliche Lösung unterstützen.

Krieg in Nahost

Ein Frachtschiff ist im Persischen Golf südöstlich des irakischen Hafens Umm Kasr von einem unbekannten Geschoß getroffen worden. Wie die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) gestern mitteilte, wurde das Schiff während der Durchfahrt durch den Golf von einem bisher nicht identifizierten Projektil getroffen. Dadurch kam es zu einer größeren Explosion an Bord.

Hinweise auf Umweltschäden lagen bisher nicht vor. Die zuständigen Behörden hätten Ermittlungen zur Ursache und den Hintergründen des Vorfalls aufgenommen, so UKMTO.

Inland

Im Ringen um einen Begutachtungsentwurf für das Budgetbegleitgesetz hat sich bisher nichts Neues ergeben. Die Gesetzessammlung, die etliche Einsparungen zur Haushaltssanierung enthalten wird, erhielt weiter keine gemeinsame Zustimmung aller drei Koalitionspartner. Eine Begutachtung wird damit zunehmend sinnarm.

Denn schon morgen soll das Budgetbegleitgesetz gemeinsam mit dem Bundesfinanzgesetz, also dem Doppelbudget 2027/2028, vom Ministerrat beschlossen und dann dem Nationalrat weitergeleitet werden. Von dort gehen die Vorlagen in den zuständigen Ausschuss zur weiteren Beratung.

Der Zeitlauf von einem Monat bis zum endgültigen Beschluss im Nationalrat würde es möglich machen, anstatt der regulären Begutachtung die deutlich seltener genutzte Ausschuss-Begutachtung anzuwenden. So könnte man auch auf diesem Weg noch kritische Stimmen einarbeiten. Im Kanzleramt ging man unterdessen aber noch davon aus, dass man einen Begutachtungsentwurf schafft.

Streit über Lohnnebenkosten und AMS

Als Grund, woran die Verhandlungen bisher scheitern, werden von den Parteien unterschiedliche Gründe angegeben. Probleme gibt es offenbar bezüglich der geplanten Senkung der Lohnnebenkosten sowie der Maßnahmen gegen das „Zwischenparken“ beim AMS.

Andere Streitpunkte wie die Finanzierung der Eurofighter-Nachfolger dürften mittlerweile (über eine Willensbekundung) gelöst sein. Auch die von NEOS verfolgte Junktimierung mit dem Thema Weisungsspitze in der Justiz soll kein Problem mehr darstellen.

Vor wenigen Wochen haben der ORF-„Report“ und „Der Standard“ mit Recherchen über parlamentarische Mitarbeiter der FPÖ aufhorchen lassen, die früher Aktivisten der rechtsextremen Identitären waren und deshalb vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Dies warf Fragen auf, besonders im Hinblick auf den Zugang dieser Personen zu klassifizierten Informationen, etwa zur Staatssicherheit.

Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) lud in der Folge zu einer Präsidiale und gestern auch zu einem Gespräch im Parlament, an dem auch gestern Vertreterinnen und Vertreter des Innenministeriums, Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) sowie die Chefin der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), Sylvia Mayer, teilnahmen.

„Besteht grundsätzlich ein Sicherheitsrisiko“

Laut Rosenkranz sei dabei herausgekommen, dass keine der Personen unter Beobachtung des Staatsschutzes stünden. Auch gebe es keine Sicherheitsgefährdung durch parlamentarische Mitarbeiter. Der Verfassungsschutzbericht spreche zwar von mindestens vier Personen, die ehemalige Aktivisten der Identitären und nun parlamentarische Mitarbeiter seien. Dieser Zusammenhang sei im Zuge der Beobachtung der Identitären Bewegung durch die DSN festgestellt worden. Einzelpersonen, die parlamentarische Mitarbeiter sind, stünden jedoch trotz dieses Umstands nicht unter Beobachtung, hieß es in der Aussendung von Rosenkranz.

Das Innenministerium stellte seinerseits nach dem Treffen im Parlament klar, „dass die Einschätzungen des Verfassungsschutzes unverändert gilt: Wie im aktuellen Verfassungsschutzbericht dargelegt, sind mindestens vier ehemalige Aktivisten der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) als parlamentarische Mitarbeitende tätig. Unabhängig davon, ob gegen einzelne Personen derzeit Beobachtungsmaßnahmen gesetzt werden, besteht aus Sicht des Verfassungsschutzes grundsätzlich ein Sicherheitsrisiko, wenn ehemalige IBÖ-Mitglieder oder Aktivisten Zugang zu klassifizierten Informationen erhalten.“

Auch dem ORF wurde erneut von Teilnehmenden des Treffens im Parlament bestätigt, dass der Verfassungsschutz Gruppen wie die Identitären – und alle, die in deren Umfeld auftreten – beobachtet würden. Wer genau, das könne aufgrund der fehlenden Rechtsgrundlage dem Parlament nicht übermittelt werden.

Ausweitung der Überprüfungen empfohlen

Für eine Änderung der Hausordnung des Parlaments, die auch den Zutritt regelt, ist der Nationalratspräsident formal zuständig. Er muss damit vorher die Präsidiale mit allen Parteienvertretern befassen, in der wiederum das Konsensprinzip gilt, es müssten also alle Fraktionen zustimmen. In der Aussendung des Parlamentschefs hieß es nun, dass er in der kommenden Präsidialkonferenz über den Termin berichten und weitere Themen zur Sprache bringen werde, die auf Vorschlag Leichtfrieds eingebracht worden seien.

Aus Sicht des Verfassungsschutzes seien Sicherheitsüberprüfungen für Mitarbeitende in den sensiblen Unterausschüssen zu empfehlen, hieß es dazu in der Aussendung des Ministeriums.

Für den ständigen Zutritt ins Parlament sind grundsätzlich solche Überprüfungen vorgeschrieben, etwa für Journalisten und Journalistinnen sowie Arbeitskräfte von Fremdfirmen mit Dauerzutrittskarte. Abgeordnete bzw. deren Mitarbeitende erhalten ihre Dauerzutrittskarte dagegen auch ohne Überprüfung.

Der Verfassungsschutz stuft die Identitären als rechtsextrem ein. Die FPÖ distanzierte sich früher von der Bewegung, mittlerweile verweist man darauf, dass diese nicht verboten sei.

Ein von der Regierung eingerichteter „Fonds zur Armutsbekämpfung“ ohne staatliche Budgetmittel ist bisher erfolglos geblieben. Der Fonds hätte etwa mit Schenkungen und Erbschaften gefüllt werden sollen. Laut der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen durch Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) landeten im Fonds aber bisher „exakt null Euro“, wie der „Standard“ (Onlineausgabe) gestern berichtete.

Der Bund will laut der vom „Standard“ berichteten Anfragebeantwortung nun für die Jahre 2026 bis 2028 in Summe 30 Millionen Euro ausgeben – zehn Millionen pro Jahr. Erfolgt sei bis dato eine Ersteinlage von einer Million. Seit Ende April existiere auch eine Richtlinie, wofür Geld ausgegeben werden darf.

Der Fonds soll neue statt bereits bestehende Programme fördern, heißt es laut „Standard“ in den Richtlinien. Ziel sei es, dass die Projekte nach der Anstoßfinanzierung eigenständig weiter bestehen und so das staatliche Budget entlasten können.

Der grüne Sozialsprecher Markus Koza, der die Anfrage gestellt hatte, erklärte dazu, der Fonds sei von Anfang an „vollkommen falsch“ aufgesetzt gewesen: „Es ist nicht die Aufgabe des Staates, mit privaten Sozialverbänden um Spenden und Zuwendungen von Privaten in Konkurrenz zu treten.“

IT

Das KI-Unternehmen Anthropic hat einen vertraulichen Antrag für einen Börsengang in den USA eingereicht. Das teilte der Entwickler des Chatbots Claude gestern mit. Einzelheiten zum Volumen oder den Bedingungen der Erstnotierung wurden nicht bekannt.

Der Schritt gilt an der Wall Street als Meilenstein für den Boom bei künstlicher Intelligenz (KI).

Anthropic wurde 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet und wird unter anderem von den Technologiekonzernen Google und Amazon unterstützt. Zudem wollen Microsoft und Nvidia bis zu 15 Milliarden Dollar (13 Mrd. Euro) in das Unternehmen investieren.

Wirtschaft

Die slowenische Nova Ljubljanska banka (NLB) greift im Bieterkampf um die österreichische Addiko Bank tiefer in die Tasche. Das Institut erhöhe sein Angebot von 29,00 auf 33,50 Euro je Addiko-Aktie in bar inklusive Dividende, teilte die NLB gestern mit. Damit bewerte sie die Bank mit rund 653 Millionen Euro.

Die Slowenen liegen mit der Aufstockung gut ein Viertel über dem konkurrierenden Angebot der Raiffeisen Bank International (RBI). Die in Osteuropa sowie in der Ukraine und in Russland tätige Bank hatte ihre Offerte im Mai auf 26,50 Euro (Gesamtbewertung: rund 517 Millionen Euro) nachgebessert.

An den übrigen Konditionen halte die NLB fest: Die Übernahme komme nur zustande, wenn dem Institut mindestens 75 Prozent der Addiko-Anteile angedient würden und die Aufsichtsbehörden zustimmten. Die Addiko-Aktie notierte an der Wiener Börse zuletzt bei 27,00 Euro.

Die Aufstockung folgt auf einen Rückschlag für die NLB: Vorstand und Aufsichtsrat der Addiko Bank hatten sich zuletzt auf die Seite der RBI geschlagen und den Aktionären deren Offerte zur Annahme empfohlen. Für das Angebot der NLB gaben sie wegen drohender regulatorischer Hürden in Kroatien und fehlender Zusagen von Großaktionären keine Empfehlung ab. Die NLB zeigt sich jedoch zuversichtlich, die nötigen Genehmigungen zeitnah zu erhalten.

Die innerhalb einer Woche angesetzten zweistündigen Warnstreiks in Betrieben der Chemischen Industrie sind gestern zu Ende gegangen. Arbeitgeber und Gewerkschaft konnten sich in sechs Verhandlungsrunden bisher nicht auf einen neuen Kollektivvertrag einigen.

Heute Vormittag startet die siebente Verhandlungsrunde. Man erwarte ein „verbessertes Angebot“, sonst seien auch befristete Streiks möglich, hieß es von der GPA zur APA.

Nachdem das Arbeitgeberangebot in Höhe einer Einmalzahlung von 250 Euro zum dritten Mal nicht erhöht wurde, rief die Gewerkschaft vergangene Woche zum Arbeitskampf auf. Die rund 230 Unternehmen der Chemischen Industrie mit mehr als 50.000 Beschäftigten sind in unterschiedlichen Bereichen aktiv, unter anderem in der Produktion von Pharmazeutika, Kunststoffen und Kunststoffwaren, Fasern, Lacken, Düngemitteln sowie organischen und anorganischen Chemikalien.

Arbeitgeberseite verweist auf Wettbewerbsverlust

Die Chemie-Arbeitgeberseite verweist aufgrund höherer KV-Abschlüsse auf einen Wettbewerbsverlust gegenüber Deutschland.

„Seit 2020 haben wir in Österreich kumuliert zwölf Prozent höher abgeschlossen als in Deutschland“, die Kosten würden die österreichischen Unternehmen nun mitschleppen, so der Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), Ulrich Wieltsch. Die Inflationsrate lag in Österreich in den vergangenen vier Jahren deutlich über jener in Deutschland.

Chronik

Ein Bär ist in Lettland durch eine Stadt geirrt und von den Behörden aus der Stadt eskortiert worden.

Das Tier sei am Sonntag tagsüber an mehreren Stellen in der Stadt Jekabpils gesichtet und nach Einbruch der Dunkelheit in den Wald gelockt worden, sagte Bürgermeister Raivis Ragainis der lettischen Nachrichtenagentur Leta. Dazu seien eine Straße gesperrt und ein Korridor für den Bären geschaffen worden, dessen Entschwinden mit Hilfe von Drohnen mit Infrarotkameras geprüft worden sei.

Augenzeugenvideos, veröffentlicht etwa vom lettischen Sender Radio1, zeigten den Bären, wie er in der Stadt mit gut 20.000 Einwohnern und Einwohnerinnen auf der Straße durch Wohnsiedlungen marschiert. Zudem wurde er in der Nähe einer Tankstelle gesehen, letztlich aber in ein Waldgebiet verscheucht – ohne jemanden zu verletzen oder Schaden anzurichten.

Nach Angaben von Ragainis wurde der Einsatz durch das große öffentliche Interesse behindert, denn das desorientierte Tier sei noch mehr verwirrt worden. So seien manche Einwohner trotz der potenziell gefährlichen Situation bereit gewesen, den Bären zu verfolgen, zu filmen oder zu fotografieren.

Nach dem spektakulären Kunstraub im Pariser Louvre im vergangenen Oktober gibt es eine mögliche neue Spur nach Belgien. Belgische Fahnder sollen auf den Handys mehrerer festgenommener Diebe Fotos vom Inneren des Louvre und insbesondere der Galerie d’Apollon gefunden haben, wo es zu dem Raub kam, berichteten das Magazin „Paris Match“ und die Zeitung „Le Parisien“ gestern unter Verweis auf die Justiz.

Frankreich und Belgien hätten gemeinsame Ermittlungen angeschoben. Die Pariser Staatsanwaltschaft wollte die neuen Ermittlungen weder bestätigen noch dementieren. Entdeckt wurden die Fotos auf den Handys von Verdächtigen aus Osteuropa, die sich auf Frachtdiebstähle spezialisiert haben, berichteten die Zeitungen. Die Auswertung der Fotos sei noch im Gange.

Laut Justizkreisen solle die Untersuchung klären, ob es einen Zusammenhang zwischen den in Belgien festgesetzten Frachtdieben und den vier inzwischen in Frankreich inhaftierten Tatverdächtigen gibt. Diesen soll es am 19. Oktober 2025 gelungen sein, in den Louvre einzudringen, um dort Kronjuwelen im Wert von schätzungsweise 88 Millionen Euro zu stehlen. Von der Beute fehlt nach wie vor jede Spur.

Medien

In Summe 75 Personen haben eine fristgerechte Bewerbung für die ORF-Generaldirektion abgegeben. Davon sind aber nur noch 13 im Rennen um den ORF-Chefsessel eine Runde weiter. Denn eine Findungskommission des ORF-Stiftungsrats beurteilte gestern die Bewerbungen und stellte fest, welche die Ausschreibungskriterien erfüllen.

Namen wurden via Aussendung keine genannt. Um am 11. Juni zur Wahl zu stehen, müssen die Verbliebenen nun noch von einem Stiftungsrat nominiert werden.

Die Auswahl erfolgte nach „eingehender Diskussion und mehrheitlichem Beschluss“, hieß es in einer vom ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer gezeichneten Aussendung. Ausschlaggebend war, ob die Bewerberinnen und Bewerber die Formalvoraussetzungen und die fachlichen Kriterien erfüllen. Weitere Details wollte der Stiftungsrat nicht preisgeben.

Als Favoriten für den Job an der Spitze des ORF gelten APA-CEO Clemens Pig, der frühere ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer, Ex-HBO-MAX-Manager Johannes Larcher und ORF-III-Kogeschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz.

Einfache Mehrheit entscheidet

Um in den ORF-Chefsessel zu gelangen, ist eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. In Summe hat das Gremium 35 weisungsfreie, ehrenamtliche Mitglieder, die von Bundesregierung (6), Parlamentsparteien (6), Bundesländern (9), ORF-Publikumsrat (9) und ORF-Zentralbetriebsrat (5) bestellt werden.

Erstmals wird der ORF-Stiftungsrat aufgrund des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFG) bzw. des Begleitgesetzes hierzulande explizit dazu verpflichtet, für ein transparentes, offenes, wirksames und nicht diskriminierendes Bestellungsverfahren zu sorgen.

Um dem Folge zu leisten, setzt der Stiftungsrat abseits der Findungskommission u. a. auf eine öffentliche Präsentation der Kandidatinnen und Kandidaten am Montag, 8. Juni. Diese wird um 20.15 Uhr zeitversetzt auf ORF III und ORF ON übertragen.

Kultur

Mit einem nicht einmal 20 Minuten dauernden Auftritt hat der US-Rapper Travis Scott den Zorn seiner Fans in Istanbul auf sich gezogen. Wie Aufnahmen in Onlinediensten zeigten, verließ der 35-Jährige in der Nacht auf gestern die Konzertbühne in der türkischen Metropole unter wütenden Pfiffen des Publikums. Schon der Beginn seines Auftritts hatte sich um eineinhalb Stunden verzögert.

Die Veranstaltung war als exklusives Konzert mit nur 2.500 Fans angepriesen worden. Den Angaben zufolge sollte Scotts Auftritt 90 Minuten dauern, davor und danach sollten weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler spielen. Die Preise für ein Ticket begannen auf den Verkaufsseiten im Internet bei umgerechnet rund 285 Euro.

Travis Scott während eines öffentlichen Auftritts
IMAGO/ZUMA Press Wire/Connor Terry (Archivbild)

Der Chef des Veranstalters TemaCC, Taylan Özcan, verteidigte Scotts Auftritt dagegen in einer Mitteilung, aus der mehrere türkische Medien zitierten. Scott habe „den ganzen Abend über im Mittelpunkt gestanden“ und eine „außergewöhnliche 20-minütige Leistung“ gezeigt.

Maurizio Cattelans „Comedian“, eine mit einem Klebeband befestigte Banane, ist im Pariser Centre Pompidou aus einer Ausstellung gestohlen worden. Die Einrichtung erstattete nach eigenen Angaben Anzeige gegen unbekannt, so das Museum gestern. Ein Sicherheitsmitarbeiter habe am Wochenende das Fehlen der Banane bemerkt. Inzwischen wurde diese ersetzt.

Bananenkunstwerk von Maurizio Cattelan
APA/AFP/Jean-Christophe Verhaegen (Archivbild)

„Comedian“ existiert in mehreren Exemplaren. Die mit Klebeband befestigte Frucht, die den Betrachter und die Betrachterin dazu anregen soll, seine Sicht auf Kunst und ihren Wert zu hinterfragen, wurde schon von mehreren Menschen verzehrt.

Der Erste war der zeitgenössische Künstler David Datuna, der die Banane 2019 auf der Art Basel Miami einfach ablöste und aß, während er rief: „Respekt, Maurizio!“ Später nannte er sich „den ersten Künstler, der die Kunst eines anderen Künstlers gegessen hat“. 2023 aß ein koreanischer Student die Banane im Leeum Museum of Art in Seoul. Er sagte, er habe Hunger gehabt, und das Werk sei doch „zum Essen da“.

Im Jahr darauf aß auch der Unternehmer Justin Sun die Banane, nachdem er sie für 5,2 Millionen Dollar (4,5 Mio. Euro) gekauft hatte. Er kommentierte scherzhaft: „Sie ist besser als die anderen Bananen.“

Panorama

Einen ungewöhnlichen Einsatz hat Samstagabend ein australischer Student absolviert. In Sydney erkrankte der Pianist eines Orchesters während einer Vorführung des oscarpreisgekrönten Films „La-la-Land“, die mit Livemusik begleitet wurde.

Nach einer längeren Unterbrechung und der ebenso verzweifelten wie erfolglosen Suche hinter der Bühne nach einem raschen Ersatz in der australischen Metropole Sydney fragte der Komponist und Dirigent Justin Hurwitz schließlich das Publikum, ob eine Pianistin oder ein Pianist anwesend sei. Tatsächlich meldete sich unter den rund 2.500 Zuschauerinnen und Zuschauern im Darling Harbour Theater ein 21-jähriger Student.

Um sicherzugehen, dass sich nicht jemand melde, der oder die sich selbst maßlos überschätzt, habe er davor genau nachgefragt, so Hurwitz laut Bericht des „Guardian“ von heute.

Testfragen für Spontaneinspringer

Er habe etwa gefragt, ob die Person sehr gut vom Blatt spielen könne, und das in Tonarten, die sie vorher nie gespielt habe. Der 21-jährige Sterling Nasa meldete sich daraufhin. Er spielt Klavier und Orgel und gibt dem Bericht zufolge nebenbei in seiner ehemaligen Schule Dudelsackunterricht.

Eigentlich habe ihm seine Freundin den nötigen Impuls gegeben und quasi für ihn aufgezeigt. Nasa, der zu Wochenbeginn der Stargast in den australischen TV- und Radioshows war, fand sich am Keyboard vor Noten von Stücken sitzend wieder, die er noch nie gespielt hatte.

Bei Solo durchimprovisiert

Der „ultimative Test“, so Nasa, sei ein Keyboardsolo im John-Legend-Song „Start a Fire“ gewesen. Als er das gesehen habe, habe er gedacht, das vom Blatt zu spielen, werde sich nicht ganz ausgehen. Dieselben Zweifel hatte auch Hurwitz, der nach eigenen Angaben Sorge hatte, Nasa könnte daran scheitern. Dieser entschloss sich dann dafür, etwas zu improvisieren. Nasas Resümee: Es sei ein Geschenk gewesen, „ein Stück zu spielen, das ich so bewundere“.