Kap. 7: Galvanisches Gravieren / Härten der Radierdruckplatte

Für Galvanisches Gravieren / Härten der Druckplatte gibt es verschiedene Möglichkeiten. Damit können Sie auch Teilbereiche der Platte ablösen, vertiefen oder auftragen. Diese Methoden können auch zum Glätten der Plattenoberfläche verwendet werden oder zum Härten der empfindlichen Kaltnadelplatten. Eine spezielles Verfahren ist die Galvanographie, bei der die Druckplatte galvanisch erzeugt wird (s.u.). In den folgenden Unterkapiteln sind Methoden dafür beschrieben.


Die Übersicht der Unterkapitel

Dabei wird Kupfer aus einem Elektrolyten auf eine Platte eines anderen Metalles aufgetragen. Die Platte oder das Werkstück wird dabei als Kathode angeschlossen, das auflösende Kupfer bildet die Anode. Häufig kommt Kupfersulfat in Kombination mit Schwefelsäure als Elektrolyt zum Einsatz.

Bei der Korrosion reagieren zwei Elemente durch das „Spannungsgefälle“ miteinander. Das unedlere Element löst sich auf und gibt Ionen an das edlere Element ab, wodurch ohne externe Stromquelle Korrosionseffekte entstehen können. Beispiele umfassen Graphit (z. B. als Kohlezeichnung) auf Kupfer oder den direkten Metallkontakt in Salzlösungen. Diese Methode eröffnet experimentelle, aleatorische, jedoch steuerbare Strukturierungen von Plattenoberflächen.

Anders als mechanisches Polieren erzeugt es eine mikroreine Spiegel-Oberfläche. Die Methode verbessert auch die Korrosionsbeständigkeit und Reinigungseigenschaften der Oberfläche.

Chrom, Nickel oder Stahl bieten dafür maximale Abnutzungsresistenz. Chromschichten entstehen in Chromsäurebädern, Nickelschichten in sauer arbeiteten Nickelbädern und Eisenüberzüge („Verstahlen“) verbessern durch Galvanisches Gravieren / Härten die Oberflächenhärte. Ebenso werden Verzinkungen zur Schutzveredelung eingesetzt. Diese Beschichtungen sind hilfreich, um die Druckplatten langlebig und robust für zahlreiche Arbeitsdurchgänge zu machen..

Zur Oberflächenveredelung von Druckplatten werden Mischungen aus Silbernitrat, Kochsalz, Weinstein und anderen Zusätzen verwendet, die auf Gegenstände gerieben oder damit getränkt werden. Eisen wird vor dem eigentlichen Versilbern oft vorbehandelt, z. B. mit Kupfersulfatlösung, um die Haftung zu sichern. Auch das Verzinken von Kupfer gelingt über erhitzte Natronlauge mit Zinkstaub – die Anwendung erfordert stets Sicherheitsmaßnahmen.

Elektrochemische Verfahren

Bei der elektrochemischen Druckplattenbearbeitung löst sich das Kupfer aus der Druckplatte heraus – oder wird durch Galvanographie erzeugt. Am Minuspol („Kathode“) befindet sich das Kupfer, welches aufgelöst und zum Pluspol („Anode“) transferiert wird. Die Druckplatte ist dabei – als abgebendes Metall – an die Kathode angeschlossen. Bei diesem Verfahren können Sie in einem Arbeitsschritt gleichzeitig metallische Gegenstände – z.B. aus Eisen – verkupfern. Wie im Bild zu sehen, sind Stromkontakte auf der Platte leicht anzubringen, indem Sie Blechstreifen rückseitig mit Klebeband als Kontaktfläche aufkleben. Daran hängen Sie die Platte an Metallstäben auf, an denen wiederum die Stromanschlüsse mit Krokodilklemmen befestigt sind.

Galvanisches Gravieren / Härten von Kupferplatten
Galvanisches Bad mit Kupferplatten

Die Galvanographie

Die Galvanographie ist ein im Jahr 1839/1840 von dem Münchner Mineralogen Franz von Kobell erfundenes, chemisch-technisches Verfahren für Reproduktions- und Druckverfahren. Damit werden detailgetreue Druckplatten für den Tiefdruck (Kupferdruck) hergestellt, ohne dass dafür traditionelle, handwerkliche Techniken wie das Ätzen oder Gravieren notwendig sind.

Der Ablauf des Verfahrens

Der Prozess läuft im Wesentlichen in vier Schritten ab:

  1. Der Farbauftrag: Ein Künstler malt das gewünschte Motiv mit einer speziellen, dickflüssigen Farbe (oft Tuschmanier) direkt auf eine polierte, versilberte Kupferplatte. Wichtig ist hierbei, dass die Farbe eine spürbare Reliefstruktur (Körperhaftigkeit) aufweist. Die hellsten Bildbereiche bleiben dabei als reine Silberfläche frei.
  2. Die Leitfähigkeit: Da die verwendete Farbe den elektrischen Strom meist schlecht leitet, wird sie nach dem Trocknen mit Graphitpulver bestäubt, um die Oberfläche komplett leitfähig zu machen.
  3. Das galvanische Bad: Die präparierte Platte wird als Kathode in ein elektrolytisches Kupferbad gehängt. Durch den fließenden Gleichstrom scheidet sich reines Kupfer auf der Platte ab – zuerst auf dem blanken Silber, dann über dem Farbenauftrag.
  4. Die Trennung: Sobald die Kupferschicht eine ausreichende Dicke erreicht hat, wird sie mechanisch von der Originalplatte abgezogen. Dieser Kupferniederschlag bildet nun eine exakte, spiegelverkehrte Negativform des Gemäldes.

Druck und Besonderheit

Die so entstandene Kupferplatte besitzt Vertiefungen an genau den Stellen, an denen zuvor der dicke Farbauftrag saß. Sie wird wie eine klassische Kupferdruckplatte eingefärbt, oberflächlich gesäubert und in einer Tiefdruckpresse verwendet.

Das Besondere an der Galvanographie ist die extrem präzise Reproduktion des individuellen Pinselstrichs des Künstlers. Da das Relief direkt durch den Farbauftrag bestimmt wird und keine manuelle Gravur stattfindet, bleibt die originale Charakteristik des Malstils perfekt erhalten. Das Verfahren wurde später durch die Kombination mit der Fotografie zur Fotogalvanographie weiterentwickelt.

Dieses Video zur experimentellen ➥ Galvanographie im Projekt PHELETYPIA veranschaulicht die praktische Herstellung und künstlerische Anwendung dieses historischen Druckverfahrens in einem modernen Labor.


Wikipedia

➥ Wikipedia schreibt:
„In der Chemie, insbesondere der Elektrochemie, ist eine Anode unabhängig von deren Polarität jene Elektrode, an der eine Oxidationsreaktion stattfindet. Es werden Elektronen aus der chemischen Reaktion aufgenommen und über den elektrischen Anschluss abgegeben. Eine elektrochemische Reaktion findet immer an der Phasengrenze zwischen einer Elektrode und einer ➥ Elektrolytlösung (Wikipedia), einem ionenleitenden Feststoff oder Schmelze statt. Daher ist beispielsweise bei der Elektrolyse die Anode die positive Elektrode, da in der Elektrolyse elektrische Energie aufgenommen wird. Bei der Galvanik wird an der Anode das Metall aufgebracht, beispielsweise Kupfer oder Nickel, da auch dabei elektrische Energie aufgenommen wird.“


Update: 8.April 2026