Für Gall, der bei fünf Etappen Zweiter wurde, ist der Erfolg beim Giro die Belohnung für Jahre intensiven Trainings und eine gewisse Genugtuung, obwohl der Podestplatz bei einer Grand Tour nicht ganz oben auf der Liste stand. „Ich habe das nicht als großen Traum gehabt. Ich bin eher jemand, der von Rennen zu Rennen blickt“, resümierte Gall nach der Italien-Rundfahrt. Der Osttiroler ist der erste Österreicher in der Geschichte, der bei einer Grand Tour auf Rang zwei fuhr.
Die veränderte Saisonplanung des 28-Jährigen ist jetzt schon voll aufgegangen. Denn Gall entschied sich in diesem Jahr, nicht bei der Tour de France an den Start zu gehen, sondern bei den großen Rundfahrten in Italien und Spanien um einen Podestplatz mitzufahren. Gleich beim ersten Versuch wurde dieses Ziel erreicht. „Es ist die richtige Entscheidung gewesen. Letztes Jahr Fünfter bei der Tour war toll, aber heuer bewusst einen anderen Plan zu fahren mit dem Ziel Podium war top“, sagte Gall.
Gall fiebert neuen Herausforderungen entgegen
Nach seinem sensationellen Erfolg als Gesamtzweiter beim Giro d’Italia zeigte sich Felix Gall stolz und glücklich, aber dachte auch schon an neue Ziele.
Schwierige Teamsituation
Ein Grund für die veränderte Planung in diesem Jahr ist allerdings auch der Franzose Paul Seixas. Mit dem 19-Jährigen beförderte das Decathlon-Team vor einigen Monaten einen der größten Nachwuchshoffnungen im Radsport vom Nachwuchs ins Hauptteam. Der französische Rennstall setzt bei der Tour de France auf Seixas als Kapitän und nicht auf Gall. Der französische Jungstar stellte in diesem Jahr unter anderem beim Klassiker Lüttich – Bastogne – Lüttich sein Können unter Beweis.
Gall brachte sich nun aber mit dem ersten österreichischen Podestplatz bei einer Grand Tour seit 69 Jahren für kommende Vertragsverhandlungen in eine gute Position. Sein Vertrag geht noch bis Ende des Jahres. „In der Zukunft werde ich mich damit befassen, meine Situation ist mit dem zweiten Platz natürlich jetzt besser.“ Möglicherweise haben aber auch andere Teams durch die starke Leistung beim Giro ein größeres Interesse an dem Österreicher.
Auch ORF-Experte Thomas Rohregger erkennt bei Gall eine stetige Steigerung und eine gute Position für Gespräche in der nächsten Zeit: „Er hat sich über die Jahre zu einem Topfahrer entwickelt. Er hat sehr, sehr gute Karten für Vertragsverhandlungen. Es wird sich zeigen, ob er beim Team bleibt oder die Reise woanders hingeht.“
Ziel für Vuelta noch unklar
Nun stehen für Gall einige Tage Ruhe auf dem Programm. „Ich werde noch ein paar Tage in Rom bleiben und mich erholen. Auch in Österreich wird das Rad dann ein paar Tage in die Ecke gestellt“, sprach der Osttiroler über die kommende Zeit. Das Ziel für die Spanien-Rundfahrt im September ist noch unklar.
„Wir werden uns neu ordnen und dann erst das Ziel für die Vuelta ausgeben. Das Ziel war ein Podest in diesem Jahr bei einer Grand Tour, das ist jetzt erreicht. Vielleicht wird auch wieder das Gesamtklassement mit Podest attackiert, aber vielleicht auch einzelne Etappensiege“, so Gall. Noch ist etwas Zeit bis zur Vuelta, die am 22. August in Monaco startet. Für den 28-Jährigen beginnen im Juli das Höhentraining und die entscheidenden Vorbereitungen auf die Spanien-Rundfahrt.