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Protestantismus

Aus Wiktionary, dem freien Wörterbuch

Protestantismus (Deutsch)

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Singular Plural
Nominativ der Protestantismus die Protestantismen
Genitiv des Protestantismus der Protestantismen
Dativ dem Protestantismus den Protestantismen
Akkusativ den Protestantismus die Protestantismen

Anmerkung zum Plural:

Der seltene Plural betont die Unterschiede zwischen den einzelnen Glaubensgemeinschaften und theologischen Auffassungen.

Worttrennung:

Pro·tes·tan·tis·mus, Plural: Pro·tes·tan·tis·men

Aussprache:

IPA: [pʁotɛstanˈtɪsmʊs]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Protestantismus (Info)
Reime: -ɪsmʊs

Bedeutungen:

[1] historisch: retrospektive Bezeichnung für die politische, religiöse, gegen die katholische Kirche gerichtete Bewegung, die im 16. und 17. Jahrhundert die Reformation trug
[2] ideengeschichtlich: daraus erwachsene gemeinsame, weltanschauliche und theologische Auffassungen sowie ein daher rührendes verbindendes Selbstverständnis
[3] konfessionskundlich: die aus der Reformationsbewegung und infolge ihrer Ausstrahlung hervorgegangenen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften

Herkunft:

neulateinische Bildung, abgeleitet von Protestant.[1] Während der Aufklärung aufgekommener Begriff zur Abgrenzung von katholischer Kirche und Katholizismus.[2]

Gegenwörter:

[1–3] Katholizismus

Oberbegriffe:

[1] Christentum

Unterbegriffe:

[2] Kulturprotestantismus

Beispiele:

[1] „In Deutschland steigt nun der am Augsburger Bekenntnis orientierte Protestantismus mit der Gründung des Schmalkaldischen Bundes (1531) unter seinem Führer PHILIPP VON HESSEN zu einer politisch-militärischen Macht innerhalb des Reichs auf, (…).“[3]
[1] „Dieses Jahrhundert wurde geprägt vom Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), der durch die Auseinandersetzungen zwischen Protestantismus (Reformation) und Katholizismus (Gegenreformation) entstanden war.“[4]
[1] „Dabei werden, nach einem vergleichenden Blick auf die sozialethischen Profile der Protestantismen im Reformationsjahrhundert […] paradigmatische Positionen zur deutschen evangelischen politischen Ethik aus dem 20. Jahrhundert skizziert […].“[5]
[2] „Obwohl der Terminus "Prinzip des Protestantismus" aus dem 19. Jahrhundert stammt, suchte bereits die altprotestantische Orthodoxie nach Prinzipien des Protestantismus. Sie kannte allerdings nur die Prinzipien solus Christus, sola scriptura, sola gratia und sola fide.“[6]
[2] „Protestantismus ist die Sammelbezeichnung für verschiedene sichtbare Kirchen oder wenigstens Denominationen, zugleich aber eine abstrakte Größe, die als normative und formative Tradition auch da noch unsere (Welt-)Gesellschaft und (Regional-)Kultur zu beeinflussen scheint, wo sie unscharf geworden ist und sich nicht einmal von einem – freilich seinerseits protestantisierten – Katholizismus deutlich unterscheidet.“[7]
[2] „Die innere Pluralisierung der diversen Protestantismen […] spiegelt sich auch in der bisher erst partiell erkundeten, seit 1800 beobachtbaren Bildung zahlreicher neuer Komposita des P[rotestantismus]-Begriffs.“[8]
[2, 3] „Der von Halleschen Pietisten in der Mitte des 18.Jh. geprägte Begriff Erweckungsbewegung (EB) wurde zum Leitbegriff für Frömmigkeitsbewegungen, die seit dem frühen 18.Jh. die eur. und nordamer. Protestantismen sowie einzelne kath. Milieus […] unterschiedlich intensiv prägten.“[9]
[3] „Der Begriff „Calvinismus“ wird dabei in einem präzisen Sinn für den reformierten Protestantismus Genfer Prägung verwendet, der maßgeblich unter Calvins Einfluß gestanden hat.“[10]
[3] „Es war das Problem der mannigfaltigen Spannungen innerhalb des Protestantismus zwischen Lutheranern, Reformierten und Unierten, zwischen Liberalen und Konservativen, zwischen den Orthodoxen in den Amtskirchen, den Vermittlungstheologen und den Frömmigkeitsbewegungen am Rande.“[11]
[3] „Die Kirchen, die üblicherweise unter dem Sammelbegriff ‚Protestantismus‘ zusammengefasst werden, weisen eine solche Vielfalt, Dynamik und theologische Uneinheitlichkeit auf, dass die Rede von ‚Protestantismen‘ im Plural angebracht ist […]:“[12]
[3] „Im Unterschied zur römischen Kirche weist der Protestantismus keine einheitliche Rechtsstruktur auf und besitzt auch kein einzelnes hierarchisches Haupt. Deshalb divergieren die Protestantismen in Abhängigkeit von den Inkulturationsbedingungen, in denen sie Auftreten[sic!].“[13]

Übersetzungen

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[3] Wikipedia-Artikel „Protestantismus
[3] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Protestantismus
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalProtestantismus
[2, 3] The Free Dictionary „Protestantismus
[1–3] Duden online „Protestantismus
[3] Wahrig Fremdwörterlexikon „Protestantismus“ auf wissen.de
[1–3] Hans-Hinrich Jenssen, Herbert Trebs (Hrsg.): Theologisches Lexikon. Union Verlag, Berlin 1981. Seite 420 f.
[1–3] Gerhard Krause, Gerhard Müller: Theologische Realenzyklopädie. Band 27, Walter de Gruyter, 1997. Seite 542–580.
[2] Das Politlexikon, Bundeszentrale für politische Bildung „Protestantismus

Quellen:

  1. Günther Drosdowski (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. 2. Auflage. Band 7, Dudenverlag, Mannheim/Wien/Zürich 1989, ISBN 3-411-20907-0, Seite 555
  2. Friedrich Wilhelm Graf: Der Protestantismus: Geschichte und Gegenwart. C.H.Beck, 2006. Seite 11 ff.
  3. Jan Rohls: Protestantische Theologie der Neuzeit. Band 1, Mohr Siebeck, 1997. Seite 12
  4. Barbara Baumann, Birgitta Oberle: Deutsche Literatur in Epochen. Hueber Verlag, 1985. Seite 52
  5. Rochus Leonhardt: kirchlich-pölitischer Aktionismus als Ausdruck protestantischer Religionsvergessenheit. In: Georg Neugebauer, Constantin Plaul, Florian Priesemuth (Herausgeber): Gott gebe Wachstum. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2021, ISBN 9783110705614 (Google Books, abgerufen am 11. Mai 2026).
  6. Gesine von Kloeden: Evangelische Katholizität: Philip Schaffs Beitrag zur Ökumene. LIT Verlag Münster, 1998. Seite 90 f.
  7. Gesine Palmer: Der Protestantismus - Ideologie, Konfession oder Kultur?. Königshausen & Neumann, 2003. Seite 7.
  8. Friedrich Wilhelm Graf: Protestantismus. In: Staatslexikon8 online. Herder, 8. Juni 2022, abgerufen am 11. Mai 2026 (Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0).
  9. F. W. Graf, C.E. Hambrick-Stowe, C. H. Grundmann: Erweckung/Erweckungsbewegungen. In: Hans Dieter Betz (Herausgeber): Religion in Geschichte und Gegenwart. 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 2. C–E, Mohr Siebeck, Tübingen 1999, ISBN 3-16-146942-9, Spalte 1490 (brill com: Abstract, abgerufen am 12. Mai 2026).
  10. Christoph Strohm: Calvinismus und Recht. Mohr Siebeck, 2008. Seite 23
  11. Heinz-Gerhard Haupt, Dieter Langewiesche: Nation und Religion in der deutschen Geschichte. Campus Verlag, 2001. Seite 240
  12. Heike Walz: Menschenrechte in Argentinien zwischen Religion und Gesellschaft. 1. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-17-042070-0, Seite 230 (Google Books, abgerufen am 11. Mai 2026).
  13. Georgios Chatzoudis, Zitat: Thomas Kaufmann  WP: „Buchdruck und printing natives“. In: L.I.S.A. Wissenschaftsportal. Gerda Henkel Stiftung, abgerufen am 12. Mai 2026.