Skaphe


Die Skaphe (altgriechisch σκάφη skáphē „Schüssel“) ist eine Variante der Sonnenuhr. Ihr „Zifferblatt“ befindet sich auf einer halben Hohlkugel mit waagerechtem Rand, die als Spiegelbild der sichtbaren Himmelskugel konzipiert ist und mit eingravierten Linien die Stunden (Tageszeit) und die Sonnenhöhe (Monat) anzeigt.[1]
Der Schattenwerfer ist punktförmig (Nodus), wozu in der Regel die Spitze eines senkrecht oder waagerecht montierten Gnomons benutzt wird. Die Spitze befindet sich auf der Höhe des Randes der Halbkugel. Im Laufe eines Tages beschreibt der Schatten des Gnomons einen Kreisbogen auf der konkaven Halbkugel: Er beginnt in westlicher Richtung am Rand des Zifferblatts, verläuft am Sonnenmittelpunkt über den nach Norden ausgerichteten vertikalen Großkreis und endet am Abend in östlicher Richtung am anderen Rand. Der Schattenverlauf ist auf dem Sphäroid für die Wintersonnenwende (obere Linie), die Sommersonnenwende (untere Linie) und die Tagundnachtgleichen im März und September (mittlere Linie) eingraviert. Diese Linien sind in 12 gleiche Teile unterteilt; die entsprechenden Punkte der drei Linien sind durch Linien verbunden, wodurch die Tagesdauer zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in 12 Teile geteilt wird. Außerhalb der Tagundnachtgleichen sind diese „Stunden“ nicht von gleicher Dauer; sie werden als „temporäre Stunden“ oder „biblische Stunden“ bezeichnet.[2]
Erfindung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Herstellung einer Sonnenuhr mit einer ebenen (horizontalen oder vertikalen) Projektionsfläche erforderte einen erfahrenen Steinmetz sowie viel Aufwand für die Erstellung der Schattenlinien. Daher konnten sich nur wohlhabende Bürger diese aufwendige Vorrichtung leisten, und sie diente oft zur Ausstattung ihrer Villen oder wurde als Spende für die Errichtung auf dem Stadtforum gestiftet. Es bestand daher Bedarf an kostengünstigeren Sonnenuhren, die gewöhnliche Arbeiter herstellen konnten.
Der Astronom Aristarch von Samos gilt als der Erfinder der Skaphe im 3. Jahrhundert v. Chr. und benutzte die einfachere Projektion auf eine kugelförmige Fläche.[3][4] Der römische Architekt Vitruv beschrieb die Hohlkugel-Sonnenuhr um 30 v. Chr. im neunten seiner Bücher über Architektur. Sie ist als Spiegelbild der sichtbaren Himmelskugel konzipiert. Eine ähnliche Konstruktion stammt angeblich vom Babylonier Berossos, der sie Hemispherium nannte.
Die Skaphe ermöglicht es, die Linien mit nur drei Messungen im Jahr zu zeichnen, anstatt mit einer ebenen Sonnenuhr zahlreiche Messungen über das ganze Jahr hinweg vornehmen zu müssen. Im Gegensatz zu neueren Sonnenuhren sind in der Regel keine Ziffern eingraviert, um die Stunden anzuzeigen.[5]
Da jenseits des nördlichen Wendekreises der nach Süden gerichtete Teil der Skaphe nicht benötigt wird, wird er weggelassen. Dadurch ist die Skaphe auch aus der Entfernung ablesbar.
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Skaphe diente den antiken Astronomen neben der Zeitbestimmung auch zur Messung von Sonnenhöhen – weshalb sie auch Heliotrop hieß – und damit zur Breitenbestimmung.
Literatur und Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Karlheinz Schaldach: Römische Sonnenuhren. Eine Einführung in die antike Gnomonik, 3. Auflage, Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2001, ISBN 978-3-8171-1649-2.
- Skaphe, in: Kunstlexikon von P. W. Hartmann.
- Aus der Geschichte der Sonnenuhren, Kap. 1.3, Antike ( vom 24. Oktober 2007 im Internet Archive) (PDF-Datei; 84 kB)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Allan Mills: Seasonal-Hour Sundials on Vertical and Horizontal Planes, with an Explanation of the Scratch Dial. In: Annals of Science. Band 50, Nr. 1, 1993, S. 83–93, doi:10.1080/00033799300200131 (englisch).
- ↑ Charles Daremberg, Edmond Saglio: Scaphé. In: Dictionnaire des Antiquités grecques et romaines. Band 1, Nr. 3, 1877, S. 1113 (französisch, univ-tlse2.fr [abgerufen am 21. Mai 2026]).
- ↑ Zur Geschichte der Zeitmessung. 18. Januar 1999, abgerufen am 22. Mai 2026.
- ↑ Karlheinz Schaldach: Die antiken Sonnenuhren Griechenlands. In: Berlin Studies of the Ancient World. Band 76, Nr. 1, 2021, ISBN 978-3-9820670-5-6, S. 75, doi:10.17171/3-76-1.
- ↑ Michel Lalos: Cadrans antiques. Abgerufen am 21. Mai 2026 (französisch).