Serbisches Reich
| Serbisches Reich | |||||
| Српско царство | |||||
| 1346–1371 | |||||
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| Amtssprache | Serbisch | ||||
| Hauptstadt | Prizren Skopje Serres[1] | ||||
| Staats- und Regierungsform | Kaiserreich, absolute Monarchie | ||||
| Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef | Kaiser (Zar) 1346–1355: Stefan Dušan 1355–1371: Stefan Uroš V. | ||||
| Staatsreligion | orthodoxes Christentum (serbische Orthodoxie) | ||||
| Währung | Serbischer Perper | ||||
| Errichtung | Krönung Stefan Dušans am 16. April 1346 | ||||
| Endpunkt | Zerfall des Reiches nach dem Tod Stefan Uroš V.s am 4. Dezember 1371 | ||||
Das Serbische Reich war ein mittelalterlicher serbischer Staat, der aus dem alten Königreich Serbien hervorging. Es wurde 1346 von Dušan dem Mächtigen begründet, der den Staat erheblich ausdehnte.
Unter Dušans Herrschaft gehörte Serbien zu den mächtigsten Staaten Europas und war die bedeutendste Macht in Südosteuropa.[2] Es war ein orthodoxes, multiethnisches und mehrsprachiges Reich, das sich von der Donau im Norden bis zum Golf von Korinth im Süden erstreckte und seine Hauptstadt in Skopje hatte.[3] Dušan erhob außerdem das serbische Erzbistum zum serbischen Patriarchat von Peć um sich vom Einfluss der Kirchenführung in Konstantinopel zu lösen. Im Serbischen Reich war die Region Kosovo das wohlhabendste und am dichtesten besiedelte Gebiet; sie bildete ein wichtiges politisches, kirchliches und kulturelles Zentrum.[4]
Dušans Sohn und Nachfolger Uroš der Schwache hatte Schwierigkeiten, das ausgedehnte Reich seines Vaters zusammenzuhalten, und verlor nach und nach große Teile der eroberten Gebiete, woher auch sein Beiname rührt. Das Serbische Reich endete faktisch mit dem Tod Uroš' V. im Jahr 1371 und dem Auseinanderbrechen des serbischen Staates. Einige Nachfolger Stefan V. beanspruchten in Teilen Serbiens bis 1402 den Titel eines Kaisers, doch die Gebiete in Griechenland konnten nicht zurückgewonnen werden.[5][6][7] Aus den Resten des Serbischen Reiches entstand Morava-Serbien als größter und mächtigster serbischer Staat unter der Lazarević-Dynastie, der später in der Schlacht auf dem Amselfeld von 1389 gegen das Osmanische Reich eine zentrale Rolle spielte.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Entstehung
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Stefan Uroš IV. Dušan war der Sohn des serbischen Königs Stefan Uroš III. Dečanski (reg. 1322–1331). Nach der Thronbesteigung seines Vaters erhielt Dušan den Titel eines „jungen Königs“. Obwohl dieser Titel im mittelalterlichen Serbien erhebliche Macht verlieh, wollte Stefan offenbar seinen jüngeren Sohn Simeon Uroš Palaiologos anstelle Dušans zu seinem Nachfolger machen. Dušan besaß jedoch breite Unterstützung innerhalb großer Teile des serbischen Adels, darunter durch den serbischen Erzbischof Danilo, sowie durch einige der engsten Generäle des Königs, etwa Jovan Oliver Grčinić. Die Spannungen zwischen König und Sohn nahmen zu, besonders nach der Schlacht bei Welbaschd, in der Dušan seine militärischen Fähigkeiten gezeigt hatte. Sie scheinen ihren Höhepunkt erreicht zu haben, als König Stefan Zeta angriff, eine serbische Provinz, in der Dušan autonom herrschte und die traditionell von serbischen Thronerben verwaltet wurde.[8] Auf Rat des Adels zog Dušan später von Zeta nach Nerodimlje, belagerte seinen Vater und zwang ihn zur Abdankung. Stefan wurde anschließend in der Festung Zvečan inhaftiert, wo er starb.[8][9]
Im Jahr 1333 begann Dušan mit Unterstützung des übergelaufenen byzantinischen Generals Syrgian einen größeren Angriff auf das Byzantinische Reich, das damals von Kaiser Andronikos III. Palaiologos regiert wurde. Dušan eroberte die Städte Ohrid, Prilep und Kastoria und versuchte 1334, Thessalonike zu belagern. Die Einnahme der Stadt scheiterte jedoch am Tod Syrgians, der von einem byzantinischen Spion ermordet worden war. Syrgian war für Dušans Heer von großer Bedeutung, da er in Griechenland hohes Ansehen genoss und griechische Stadtbewohner dazu bewegen konnte, sich zu ergeben, statt gegen Dušans Truppen zu kämpfen.[10]
Bis 1345 hatte Dušan seinen Staat auf etwa die Hälfte des Balkans ausgedehnt und damit ein größeres Herrschaftsgebiet als das Byzantinische Reich oder das Zweite Bulgarische Reich zu dieser Zeit. Daher proklamierte sich Dušan 1345 in Serres zum „Zar“ („Caesar“).[11] Am 16. April 1346 ließ er sich in Skopje, der früheren Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches, zum „Kaiser der Serben und Griechen“ krönen, einem Titel, der einen Anspruch auf die Nachfolge des Byzantinischen Reiches ausdrückte. Die Zeremonie wurde vom neu erhobenen serbischen Patriarchen Joanikije II., vom bulgarischen Patriarchen Simeon und von Nikolaus I. von Ohrid, dem Erzbischof von Ohrid, vollzogen. Gleichzeitig ließ Dušan seinen Sohn Stefan Uroš V. zum Kaiser der Serben und Griechen krönen. Dieser erhielt nominell die Herrschaft über die serbischen Länder, während Dušan den Gesamtstaat regierte und besondere Verantwortung für die neu erworbenen oströmischen beziehungsweise byzantinischen Gebiete beanspruchte. Diese Schritte, die in Byzanz Empörung auslösten, scheinen vom Bulgarischen Reich und Zar Iwan Alexander unterstützt worden zu sein, da Patriarch Simeon sowohl an der Errichtung des Patriarchats von Peć als auch an der Kaiserkrönung Stefan Uroš IV. Dušans teilnahm.[12] Dušan schloss außerdem ein Ehebündnis mit dem bulgarischen Zaren, indem er dessen Schwester Elena von Bulgarien heiratete.[13][14]
Herrschaft Stefan Dušans
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Zar Dušan verdoppelte die Größe des serbischen Staates, indem er Gebiete in alle Richtungen, vor allem nach Süden und Südosten, eroberte. Serbien umfasste Teile des heutigen Bosnien und Herzegowina, Morava-Serbien, Kosovo, Zeta, das heutige Nordmazedonien, das heutige Albanien sowie etwa die Hälfte des heutigen Griechenland. Er eroberte sein Reich weniger durch Feldschlachten als durch die Belagerung und Einnahme von Städten. Dušan führte einen Feldzug gegen das Byzantinische Reich, das nach den Folgen des Vierten Kreuzzugs seinen Untergang abzuwenden versuchte. Rasch brachte er Thessalien, Albanien, Epirus und den größten Teil Makedoniens unter seine Kontrolle.
Nach der Belagerung des Kaisers bei Thessaloniki im Jahr 1340 setzte er einen Vertrag durch, der Serbien die Herrschaft über Gebiete von der Donau bis zum Golf von Korinth, von der Adria bis zur Mariza sowie über Teile Südbulgariens bis in die Umgebung von Adrianopel zusicherte. Bulgarien hatte sich von seiner Niederlage gegen die Serben in der Schlacht bei Welbaschd nie vollständig erholt.[15] Der Ausgang der Schlacht prägte das Kräfteverhältnis auf dem Balkan für die folgenden Jahrzehnte; so konnten die Serben große Teile Makedoniens besetzen.[16] Der bulgarische Zar Iwan Alexander, dessen Schwester Elena Dušan später heiratete, wurde zwischen 1332 und 1365 sein Verbündeter.[17] Dušan herrschte über weite zentrale Teile der Balkanhalbinsel. Dem früheren Regenten des Byzantinischen Reiches, Johannes VI. Kantakuzenos, der gegen die Regierung rebellierte, gewährte er Zuflucht, schloss mit ihm ein Bündnis und Nutze die innerbyzantinischen Konflikte zur Expansion Serbiens.
1349 und 1354 ließ Dušan eine Gesetzessammlung erlassen, die als Dušanov zakonik bekannt wurde. Das Gesetzbuch beruhte auf römisch-byzantinischem Recht und auf der ersten serbischen Verfassung, dem Nomokanon des Heiligen Sava von 1219. Es war ein System aus Zivilrecht und Kirchenrecht, das sich auf die ökumenischen Konzilien stützte und die Funktionsweise des Staates sowie der Serbisch-orthodoxen Kirche regelte. 1355 begann Dušan mit militärischen Vorbereitungen für neue Feldzüge im Süden und Osten mit dem Ziel Konstantinopel einzunehmen, starb jedoch im Dezember 1355 plötzlich an einer unbekannten Krankheit.[18]
Ereignisse in Bosnien und Dalmatien in den 1350er Jahren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dušan wollte offenbar seine Herrschaft auf Gebiete ausdehnen, die zuvor in serbischer Hand gewesen waren, etwa Hum, das 1326 vom bosnischen Ban Stjepan II. Kotromanić annektiert worden war. Im Jahr 1350 griff Dušan Bosnien an, um das zuvor verlorene Hum zurückzugewinnen und Überfälle auf seine Vasallen in Konavle zu beenden; Venedig bemühte sich erfolglos um eine Vermittlung. Im Oktober fiel Dušan mit einem angeblich 80.000 Mann starken Heer in Hum ein und besetzte Teile des umstrittenen Gebietes.[19] Laut dem Historiker und Mönch Mavro Orbini stand Dušan heimlich mit verschiedenen bosnischen Adeligen in Kontakt und bot ihnen Bestechungen für ihre Unterstützung an; viele Adelige, vor allem aus Hum, seien bereit gewesen, den Ban zu verraten, darunter die mit den Nemanjić verwandte Familie Nikolić. Der Ban vermied eine größere Konfrontation und stellte sich Dušan nicht zur Schlacht, sondern zog sich in die Berge zurück und führte kleinere Überfälle durch. Die meisten bosnischen Festungen hielten stand, doch einige Adelige unterwarfen sich Dušan. Die Serben verwüsteten weite Teile des Landes. Mit einem Heer erreichten sie Duvno und die Cetina, ein zweites gelangte bis zur Krka, an der Knin im heutigen Kroatien lag, und ein drittes nahm Imotski und Novi, wo Garnisonen zurückblieben, bevor sie nach Hum vordrangen. Aus dieser Position der Stärke versuchte Dušan, mit dem Ban Frieden auszuhandeln. Der Friede sollte durch die Ehe von Dušans Sohn Uroš mit Stephans Tochter Elisabeth besiegelt werden, die Hum als Mitgift erhalten und es dadurch an Serbien zurückgeben sollte. Der Ban lehnte diesen Vorschlag jedoch ab.[20]
Möglicherweise führte Dušan den Feldzug auch zur Unterstützung seiner Schwester Jelena, die 1347 Mladen III. Šubić geheiratet hatte, der eine antihabsburgische beziehungsweise antiungarische Koalition bildete. Mladen starb bereits 1348 an der Pest, worauf Jelena versuchte, die Herrschaft über die Šubić-Städte Klis und Skradin für sich und ihren Sohn zu sichern. Eine serbische Garnison erreichte 1355 die dalmatinischen Städte, die jedoch 1356 verloren gingen. Da sie von Ungarn und Venedig bedrängt wurde, könnten die in den 1350er Jahren nach West-Hum und Kroatien entsandten serbischen Truppen ihrer Unterstützung gedient haben, da Operationen in dieser Region für eine Eroberung Hums wenig Nutzen versprachen. Sollte Dušan tatsächlich beabsichtigt haben, Jelena zu helfen, verhinderten wachsende Probleme im Osten eine Fortsetzung.[21]
Herrschaft Stefan Uroš' V.
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf Dušan folgte sein Sohn Stefan Uroš V., genannt „der Schwache“, ein Beiname, der auch den Zustand des Reiches beschrieb, das allmählich in Anarchie abglitt. Die mangelnde Konsolidierung der rasch eroberten Gebiete und die Vernachlässigung des serbischen Kernlandes führte zur Zersplitterung des Reiches. Die Zeit war zugleich vom Aufstieg einer neuen Bedrohung geprägt: Das osmanische Sultanat breitete sich von Asien nach Europa aus, eroberte zunächst das byzantinische Thrakien und danach weitere Gebiete auf dem Balkan. Stefan Uroš V. war nicht in der Lage, das von seinem Vater geschaffene Reich zu bewahren, Angriffe auswärtiger Feinde abzuwehren oder der Verselbständigung seines Adels entgegenzutreten. Das Serbische Reich unter Stefan V. zerfiel in ein Konglomerat von Fürstentümern, von denen einige seine Herrschaft nicht einmal nominell anerkannten. Stefan Uroš V. starb kinderlos am 4. Dezember 1371, nachdem ein großer Teil des serbischen Adels in der Schlacht an der Mariza von den Osmanen getötet worden war.
Folgen und Nachwirkung
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Nach inneren Konflikten und der Dezentralisierung des Staates besiegten die Osmanen die Serben unter Vukašin Mrnjavčević 1371 in der Schlacht an der Mariza und machten die südlichen Machthaber zu Vasallen; kurz darauf starb der Kaiser.[22] Da Uroš kinderlos war und sich der Adel nicht auf einen rechtmäßigen Erben einigen konnte, wurde das Reich faktisch von halbunabhängigen regionalen Herren regiert, die häufig miteinander verfeindet waren. Der mächtigste unter ihnen war Lazar Hrebeljanović, ein Fürst im Gebiet des heutigen Zentralserbien, das noch nicht unter osmanische Herrschaft geraten war. Er stellte sich den Osmanen 1389 in der Schlacht auf dem Amselfeld entgegen. Obwohl die Schlacht keinen eindeutigen Sieger hatte, führte sie jedoch zum weiteren Niedergang Serbiens. Lazars Sohn Stefan Lazarević folgte ihm als Herrscher nach, wurde jedoch 1394 zum osmanischen Vasall. 1402 sagte er sich von der osmanischen Oberherrschaft los und wurde Verbündeter Ungarns; die folgenden Jahre waren von einem Machtkampf zwischen Osmanen und Ungarn um die Gebiete Serbiens geprägt. 1453 eroberten die Osmanen Konstantinopel, 1458 wurde Athen eingenommen. 1459 wurde Serbien annektiert, ein Jahr später auch die Morea. In den folgenden Jahrhunderten osmanischer Herrschaft wurde das Erbe der früheren Staatlichkeit, verkörpert durch das Serbische Reich, zu einem festen Bestandteil der serbischen nationalen Identität und bildete auch eine Legitimierung späterer Expansionistischer Bestrebungen, als im 19. Jahrhundert die volle Unabhängigkeit zurückerlangt wurde.[23]
Verwaltung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Recht
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Nach Abschluss des größten Teils seiner Eroberungen widmete sich Stefan Dušan der Aufsicht über die Verwaltung des Reiches. Ein zentrales Ziel war die Schaffung eines schriftlichen Gesetzbuches, ein Vorhaben, das seine Vorgänger bereits begonnen hatten. Eine Versammlung aus Bischöfen, Adeligen und Provinzgouverneuren wurde beauftragt, ein Gesetzeswerk zu erstellen, das die Gewohnheiten der südslawischen Länder zusammenführte.
Das Dušan-Gesetzbuch (Dušanov zakonik) wurde auf zwei Reichsversammlungen erlassen, zunächst am 21. Mai 1349 in Skopje und ein zweites Mal 1354 in Serres.[24][25] Es regelte alle gesellschaftlichen Bereiche und gilt daher als eine mittelalterliche Verfassung. Das Gesetzbuch umfasste 201 Artikel und beruhte auf römisch-byzantinischem Recht. Auffällig ist die rechtliche Übernahme in den Artikeln 172 und 174, welche die richterliche Unabhängigkeit regelten. Sie wurden dem byzantinischen Rechtsbuch Basilika entnommen. Das Gesetzbuch wurzelte in der ersten serbischen Verfassung, dem Nomokanon des Heiligen Sava von 1219, der von Sava von Serbien erlassen worden war. Der Nomokanon des Heiligen Sava war eine Sammlung von Zivilrecht auf Grundlage des römischen Rechts und von Kirchenrecht auf Grundlage der ökumenischen Konzilien. Sein Hauptzweck bestand darin, die Funktionen des Staates und der Serbisch-orthodoxen Kirche zu ordnen.[26][27]
Die Gesetzgebung ähnelte dem damals in Westeuropa verbreiteten Feudalsystem, mit aristokratischer Grundlage und einer deutlichen Trennung zwischen Adel und Bauernschaft.[28] Der Monarch besaß weitreichende Befugnisse, war jedoch von einem ständigen Rat aus Magnaten und Prälaten umgeben und beraten. Hof, Kanzlei und Verwaltung waren grobe Nachbildungen der Strukturen von Konstantinopel. Der herrschende Adel besaß erbliche Allodialgüter, die von abhängigen sebri bewirtschaftet wurden, dem Gegenstück zu den griechischen Paroikoi: Bauern, die Arbeitsdienste schuldeten und formell durch Erlass gebunden waren. Der frühere Titel Župan wurde abgeschafft und durch das aus dem Griechischen abgeleitete kefalija (kephale, „Haupt, Herr“) ersetzt.[29]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Serbische Reich verfügte über reiche Ressourcen, besonders in der Umgebung der Bergwerke im Kosovo. Ein französischer Reisender des 15. Jahrhunderts beschrieb den Wohlstand und die gehobene Lebensweise in Serbien und verglich den Lebensstil der oberen Schichten mit dem in Frankreich.[30]
Auch der Handel war ein wichtiges Anliegen Dušans. Er erließ strenge Anordnungen gegen Piraterie und Banditentum zur Sicherung von Reisenden und ausländischen Kaufleuten. Die traditionellen Beziehungen zu Venedig wurden wiederaufgenommen, wobei der Hafen von Ragusa (Dubrovnik) zu einem wichtigen Umschlagplatz wurde. Ost-West-Straßen römischen Ursprungs führten durch das Reich und transportierten unterschiedliche Waren: Wein, gewerbliche Erzeugnisse und Luxusgüter von der Küste sowie Metalle, Vieh, Holz, Wolle, Häute und Leder aus dem Landesinneren. Diese wirtschaftliche Entwicklung ermöglichte die Entstehung des Reiches. Bedeutende Handelswege waren unter anderem die antike römische Via Militaris, die Via Egnatia, die Via de Zenta und die Straße von Kopaonik. Kaufleute aus Ragusa besaßen im gesamten Reich besondere Handelsprivilegien. Die Sicherheit von Handel und Kaufleuten auf den Straßen war ein zentrales Anliegen der staatlichen Behörden.[31]
Srebrenica, Rudnik, Trepča, Novo Brdo, Kopaonik, Majdanpek, Brskovo und Samokow waren die wichtigsten Zentren für den Abbau von Eisen-, Kupfer- und Bleierzen sowie von Silber- und Goldvorkommen.[32] Die Silberbergwerke lieferten einen großen Teil der königlichen Einnahmen und wurden durch Sklavenarbeit betrieben, die von Sasi (Sachsen) organisiert wurde.[33][34] Eine sächsische Kolonie arbeitete in den Bergwerken von Novo Brdo und handelte mit Köhlern.[35]
Die verwendete Währung hieß Dinar; eine alternative Bezeichnung war Perper, abgeleitet vom byzantinischen Hyperpyron. Der Golddinar war die größte Einheit, und die kaiserliche Steuer betrug jährlich eine Dinar-Münze pro Haus.[36]
Militär
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Die serbische Militärtaktik beruhte auf keilförmigen Angriffen schwerer Kavallerie, die an den Flanken von berittenen Bogenschützen unterstützt wurden. Im serbischen Heer dienten zahlreiche ausländische Söldner, vor allem Deutsche als Reiterei und Spanier als Fußtruppen. Das Heer verfügte außerdem über persönliche Söldnergarden des Kaisers, überwiegend aus deutschen Rittern. Ein deutscher Adliger, Palman Bracht, wurde 1331 auf dem Weg nach Jerusalem nach seiner Durchreise durch Serbien Befehlshaber der serbischen „alemannischen Garde“; später führte er alle Söldner im serbischen Heer.[37][38] Die Hauptstärke des serbischen Heeres waren schwer gepanzerte Ritter, die wegen ihres heftigen Angriffs und ihrer Kampffähigkeiten gefürchtet wurden, sowie Husaren, vielseitige leichte Kavallerieformationen, die vor allem mit Speeren und Armbrüsten bewaffnet waren und sich für Aufklärung, Überfälle und Gefechte eigneten.
Staatssymbole
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Karte von Angelino Dulcert aus dem Jahr 1339 zeigt mehrere Flaggen. Serbien wird durch eine Flagge über Skopje (Skopi) mit dem Namen Serbia nahe am Flaggenmast dargestellt, was zur Entstehungszeit der Karte für Hauptstädte typisch war. Die Flagge mit einem roten Doppeladler repräsentierte das Reich Stefan Dušans.[39][40] Eine in Hilandar befindliche Flagge, die Dimitrije Avramović sah, wurde von der Bruderschaft angeblich als Flagge Kaiser Dušans bezeichnet; es handelte sich um eine Dreibandflagge mit roten Streifen oben und unten und einem weißen Streifen in der Mitte.[41] Kaiser Dušan übernahm außerdem das kaiserliche Divellion, das purpurfarben war und in der Mitte ein goldenes Kreuz trug.[42] Eine weitere Flagge Dušans war die kaiserliche Reiterflagge, die im Kloster Hilandar auf dem Athos aufbewahrt wurde; sie war eine dreieckige zweifarbige Flagge in Rot und Gelb.
Kultur
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Religion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter dem Einfluss des Klerus zeigte Dušan große Härte gegenüber dem Katholizismus. Wer sich der lateinischen Kirche anschloss, wurde zur Zwangsarbeit in Bergwerken verurteilt; Personen, die Orthodoxe konvertieren wollten, wurden mit dem Tod bedroht. Das Papsttum war über diese Entwicklung und die wachsende Macht Dušans beunruhigt und schürte die Rivalität der katholischen Ungarn mit den orthodoxen Serben. Gleichzeitig versuchte Dušans die serbische Landeskirche gegenüber Konstantinopel zu stärken. Die größte Bedrohung kam jedoch aus dem Osten, von muslimischen Osmanen. Auf den Ufern der Dardanellen festgesetzt, waren die Türken die gemeinsamen Feinde der Christenheit. Gegen sie stellte sich die Frage, alle Kräfte auf dem Balkan zu vereinigen und zu lenken, um Europa vor der Invasion zu schützen. Das Serbische Reich umfasste bereits den größten Teil der Region; um die Halbinsel unter einem einzigen Herrscher zu vereinen, hätte Konstantinopel eingenommen werden müssen, um Serbien die verbliebenen Teile des Byzantinischen Reiches einzugliedern. Dušan beabsichtigte, sich selbst zum Kaiser und Verteidiger des Christentums gegen die islamische Expansion zu machen. Zur Gelegenheit einer Einnahme Konstantinopels kam es jedoch nie und eine gemeinsame Front gegen die Osmanen scheiterte an internen Konflikten der christlichen Balkanstaaten.[43]
Bildung und Kunst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bildung, die ursprünglich durch die Bemühungen des heiligen Sava gefördert worden war, erlebte während der Herrschaft Stefan Dušans einen Aufschwung. Schulen und Klöster genossen königliche Förderung. Als eigentliche Zentren der Kultur wurden sie zu Einrichtungen, die serbische nationale Traditionen bewahrten. Auch die bildenden Künste, die von italienischen Einflüssen geprägt waren, wurden nicht vernachlässigt. Baudenkmäler, Fresken und Mosaiken zeugen von der kulturellen Blüte dieser Zeit.[44][45]
Regierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kaiser und Mitherrscher
- Stefan Dušan (1346–1355)
- Stefan Uroš V. (1355–1371)
- Mitherrscher Vukašin von Serbien mit dem Titel „König“ (1365–1371)[46]
- designierter Erbe Prinz Marko mit dem Titel „junger König“ (1369–1371)
- Mitherrscher Vukašin von Serbien mit dem Titel „König“ (1365–1371)[46]
Galerie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Staatssymbole
- Flagge Serbiens auf der Karte von Angelino Dulcert (1339).
- Rekonstruktion auf Grundlage der Karte Dulcerts
- Divellion Kaiser Dušans
- Kaiserliche Reiterflagge, Hilandar
- Angebliche Flagge, Hilandar
- Zugeschriebenes Wappen Serbiens aus dem Fojnica-Wappenbuch, einer Handschrift des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts. Eine Fassung davon wurde zum Wappen des Fürstentums Serbien und seiner Dynastie.
- Zugeschriebenes kaiserliches Wappen Stefan Dušans aus dem Korjenić-Neorić-Wappenbuch, einer Handschrift des späten 16. Jahrhunderts
- Karten
- Das Serbische Reich im Jahr 1350 nach dem deutschen Historiker Gustav Droysen des 19. Jahrhunderts. Die heutige Forschung weist darauf hin, dass das Banat Bosnien den Kaisertitel Stefan Dušans anerkannte, er jedoch nur Teile der östlichen Herzegowina direkt beherrschte.[8]
- Karte des Serbischen Reiches, Universität Belgrad, 1922
- Geografische Karte des Serbischen Reiches mit heutigen Grenze
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Gregory, Timothy E.; Ševčenko, Nancy Patterson (1991). „Serres“. In Kazhdan, Alexander (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Byzantium. Oxford/New York: Oxford University Press, S. 1881–1882. ISBN 0-19-504652-8.
- ↑ David Nicolle; (1988) Hungary and the Fall of Eastern Europe 1000–1568 (Men-at-Arms) S. 35, 37; Osprey Publishing
- ↑ Positive Peace in Kosovo: A Dream Unfulfilled by Elisabeth Schleicher, p. 49. 2012
- ↑ World Heritage Scanned Nomination UNESCO: DEČANI MONASTERY. Archiviert vom am 30. März 2023; abgerufen am 10. Juni 2026 (Zitat: „At the time of great rise of the Serbian state in the early 14th century, Kosovo was the richest and most densely populated region, with political, ecclesiastical and cultural centers“).
- ↑ Dvornik 1962, S. 111–114.
- ↑ Fine 1994, S. 286–382.
- ↑ Ćirković 2004, S. 63–80.
- 1 2 3 Boris Stojkovski: Tsar Stefan Dušan the Mighty – The Most Powerful Ruler of the Serbian Middle Ages – Cultural Center of Novi Sad / Цар Стефан Душан Силни – најмоћнији владар српског средњег века - Културни центар Новог Сада. 3. März 2020, archiviert vom am 22. November 2025; abgerufen am 10. Juni 2026 (sr-RS).
- ↑ Dušan, Stefan. Abgerufen am 10. Juni 2026.
- ↑ Vladimir Corovic: Istorija srpskog naroda. In: rastko.rs. Archiviert vom am 24. November 2025; abgerufen am 10. Juni 2026.
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Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dušan T. Bataković (Hrsg.): Histoire du peuple serbe. L’Age d’Homme, Lausanne 2005, ISBN 978-2-8251-1958-7 (google.com [abgerufen am 10. Juni 2026]).
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- Vojislav J. Đurić: The European Scope of Painting in Medieval Serbia. In: Serbs in European Civilization. Nova, Serbian Academy of Sciences and Arts, Institute for Balkan Studies, Belgrad 1993, ISBN 978-86-7583-015-3, S. 72–89 (google.com).
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