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Semmelweis-Reflex

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Als Semmelweis-Reflex (auch Semmelweis-Effekt) wird die Vorstellung beschrieben, dass das wissenschaftliche Establishment eine neue Entdeckung quasi „reflexhaft“ ohne ausreichende Überprüfung erst einmal ablehnt und den Urheber eher bekämpft als unterstützt, wenn sie weit verbreiteten Normen oder Überzeugungen widerspricht.

Namensgebend für diesen Begriff ist die Entdeckung der Bedeutung der Hygiene durch den ungarischen Chirurgen und Geburtshelfer Ignaz Semmelweis.

In einigen Fällen hatten Innovationen in der Wissenschaft eher eine Bestrafung als eine Honorierung zur Folge, weil sie etablierten Paradigmen und Verhaltensmustern entgegenstanden.[1] Der Begriff wurde vom amerikanischen Autor Robert Anton Wilson (1932–2007) geprägt und nach dem österreichisch-ungarischen Arzt Ignaz Semmelweis (1818–1865) benannt.[2][3]

Semmelweis führte das gehäufte Auftreten des Kindbettfiebers, einer der Hauptursachen für die hohe Sterblichkeit von Müttern nach der Entbindung, auf mangelnde Hygiene bei Ärzten und Krankenhauspersonal zurück und bemühte sich, Hygienevorschriften einzuführen. Seine Studie von 1847/48 gilt heute als erster praktischer Fall von evidenzbasierter Medizin in Österreich. Zu seinen Lebzeiten wurden seine Erkenntnisse jedoch nicht anerkannt und von vielen Kollegen, besonders aber von Vorgesetzten als „spekulativer Unfug“ abgelehnt. Erst nach den Arbeiten Joseph Listers (1827–1912) im Bereich der Antiseptischen Medizin wurden die Zusammenhänge zwischen fehlenden Desinfektionsmaßnahmen, Bakterieninfektionen und Kindbettfieber klar.[4]

Ein weiteres Beispiel dafür ist die Theorie der Kontinentalverschiebung von Alfred Wegener.[4] Ein aktuelleres Beispiel ist die Kritik an der Arbeit des Chemie-Nobelpreisträgers Dan Shechtman zum Thema Quasikristalle.[5.1]

  • R. N. Braun: Wo die angewandte Medizin heute steht oder der Semmelweis-Effekt. In: Der Allgemeinarzt. 1984, Heft 8.
  • Gerhard Medicus: Semmelweis-Effekt. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. 64. Jahrgang (2011), Heft 9, S. 501–502, und in ISBN 978-3-86135-583-0, Seiten 60–64.
  • Robert Anton Wilson: The Game of Life. New Falcon Publications. 1991 ISBN 1561840505.

Einzelnachweise

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  1. Cliff Heegel, Do you suffer from Semmelweis-Reflex? (Memento vom 28. Oktober 2010 im Internet Archive)
  2. Frederick Mann: How to improve your information. 1993. (Memento vom 7. September 2012 im Webarchiv archive.today)
  3. Ole Daniel Enersen: Semmelweis’ reflex (Memento vom 3. Dezember 2024 im Internet Archive) bei whonamedit.com
  4. 1 2 Heinrich Zankl: Kampfhähne der Wissenschaft: Kontroversen und Feindschaften. John Wiley & Sons, 2010, ISBN 3527325794, ISBN 9783527325795, S. 138.
  5. Denis Gratias, Marianne Quiquandon: Discovery of quasicrystals: The early days. In: Comptes Rendus. Physique. Band 20, Nr. 7-8, 23. Mai 2019, ISSN 1878-1535, S. 803–816, doi:10.1016/j.crhy.2019.05.009 (academie-sciences.fr [abgerufen am 15. Mai 2026]).
    1. S. 805