Rolf Krüger (Designer)

Rolf Krüger (* 13. Dezember 1939 in Hamburg) ist ein deutscher Designer und Maler.
Leben und Werk
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iF Design Award 1968

Bundespreis Gute Form 1972

Design-Innovationen NRW 1991

Designmuseum München 2017

100 cm × 100 cm, 1995
Rolf Krüger floh 1943 beim Bombenangriff „Gomorrha“ auf Hamburg mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder nach Nordfriesland.[1] Sein Vater kehrte vom Einsatz im Zweiten Weltkrieg nicht zurück, erst 1993 wurde die Familie durch das Deutsche Rote Kreuz über seinen Tod im Jahr 1944 in der damaligen Sowjetunion unterrichtet.[2]
Rolf Krüger wuchs in Husum auf[3] und studierte zunächst bis 1960 angewandte Kunst an der Heinrich-Zernack-Schule in Berlin. Es folgten Studien in Produktdesign, Malerei, Fotografie und Gebrauchsgrafik an der Berliner Meisterschule für das Kunsthandwerk, die 1964 in Staatliche Werkkunstschule umbenannt wurde, und wo er nach acht Semestern das Examen machte. 1984 erhielt Krüger durch die Berliner HdK-Nachgraduierung die Bezeichnung Diplom-Designer.
Seit 1964 gestaltete er Produkte in Metall, Glas und Beton und arbeitete ab 1983 freiberuflich.[4][5] Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren Beleuchtungsdesign für Staff (heute Zumtobel), die Wiesenthalhütte in Schwäbisch Gmünd,[6] Neuhaus,[7] BPS und Goebel sowie das Design von Konsumgütern für Frieling. Für die Schott-Zwiesel-Glaswerke (Studio Christinenhütte) bestand eine mehrjährige Designberatung und Produktgestaltung,[8] zudem vertrat er die Schott-Glaswerke auf der internationalen Ausstellung des Verbandes Deutscher Industriedesigner (VDID) „Designed in Germany“ 1990/91 mit seiner ausgezeichneten zehnteiligen Glasserie „Geometria“, die sich heute im Landesmuseum Schleswig-Holstein befindet.[9][10] Zur gleichen Zeit wurden im japanischen Design Journal Nummer 44 deutsche Designer mit ihren Produkten vorgestellt, so auch Krüger mit weiteren geblasenen Schott-Glasserien. Mehrfach ausgezeichnet wurde zum Beispiel seine 1968 für Staff gestaltete Wandleuchte „Cross Oyster“ (bekannt auch als „Kreuzauster“),[11] die unter anderem im Schloss von Königin Margrethe von Dänemark[4][12] oder 1970 im Ausstellungsstand von Mercedes-Benz beim Genfer Auto-Salon installiert wurde.[12]
Krüger setzte vielfach Glas für Lichtobjekte (Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Zwiesel,[13] Stadtpfarrkirche Heilige Familie in Bad Griesbach im Rottal,[14] Landratsamt Deggendorf) in Verbindung mit energiesparender Lichttechnik[13] ein, darunter Re-Editionen wie die Wandleuchte „Cross Oyster“.[3][15] Ferner gestaltete Krüger für die Arnsberger Ausstellung „150 Jahre Christuskirche“ 14 großformatige Bild- und Texttafeln mit vielen zu ergänzenden Detailaufnahmen des Kirchenbaus.[16] 2015 wurde in der Neheimer Kirche St. Franziskus ein von Krüger mitgestalteter neuer Kreuzweg eingeweiht.[17]
Weitere Entwürfe waren Bänke aus Abflussrohren in Beton für das Projekt „Husum kunstumschlungen“ der Ede-Sörensen-Stiftung.[18] Die farbigen Bänke, die anlässlich des Arnsberger Kunstsommers 2008 den ersten Designpreis gewannen,[4] zieren heute den nordfriesischen Nordseedeich,[18] bis 2026 kamen weitere acht „Sitzrohre“ für die Stadt Husum und ihre Umgebung hinzu. Für die Stadt Arnsberg entwarf er das Logo „Moosfelde Stadtteil im Grünen“.[19]
Für seine Werke erhielt Krüger über 30 Preise und Auszeichnungen, darunter mehrere iF Design Awards.[4][6][12] Seine Werke sind in fünf deutschen Museen vertreten, darunter das Sauerland-Museum in Arnsberg.[20] Er war Mitbegründer des Designforums Arnsberg, das 2005 von der Stadt Arnsberg öffentlich vorgestellt wurde.[21]
Seit einigen Jahren befasst sich Krüger wieder intensiv mit der Malerei, nachdem er über die katholische Familienbildungsstätte Malkurse für Kinder und Erwachsene[22] sowie über die Stadt Arnsberg kreative Gestaltung an drei Grundschulen durchgeführt hatte.[23] 2010 gestaltete er für das neu errichtete „Haus Jakobus“ in Bigge digital veränderte Großfotos von den dort lebenden Menschen mit Behinderungen.[24]
Privates
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Krüger lebt in Arnsberg und Husum;[8] er ist verheiratet[25] und hat zwei Söhne.
Auszeichnungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1968: Rosenthal Studio Preis (Bundesverband der Deutschen Industrie)[4][26]
- iF Design Award: unter anderem 1968 für Wandleuchte „Cross Oyster“[11] und 1969 für Staff Pendelleuchte 5480[27]
- 1972: 1972 Bundespreis Gute Form (Fa. Heinz Neuhaus)[10]
- 1990: Preis Design Innovation des Design Zentrums Nordrhein-Westfalen für Gläser der Serie Geometria[7]
- 1991: Design Plus Award (Frankfurter Messe Ambiente) für die Zierflaschen „Charleston“[5][7]
- 1992: Design Plus Award (Frankfurter Messe Ambiente) für „Una"-Schalen“[7]
Werke in Sammlungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dauerausstellung Kunst + Design im 20. Jahrhundert. Landesmuseum Schleswig-Holstein, Schloss Gottorf[7][9]
- Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast Düsseldorf[5][28]
- Designmuseum Die Neue Sammlung München[8]
- Kunstgewerbemuseum Berlin[29]
- Sauerland-Museum Arnsberg[20]
Ausstellungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1990/91: Designed in Germany. Internationale VDID-Ausstellung in Tokio, Los Angeles, New York, Montreal, Boston
- 1990: Sonderschau Form 90, Frankfurter Messe Ambiente: Geometria.[7]
- 1993: Sauerland-Museum: Fläche-Form-Produkt. Karl Heinz Hosse: Bilder; Uwe Pülz: Skulpturen; Rolf Krüger: Design[30]
- 1995: Glasdesign und ausdrucksstarke Bilder. Rathaus Arnsberg[31]
- 2022: Licht und Glas. Produktdesign von Rolf Krüger. Sonderausstellung Nordfriesland Museum. Nissenhaus Husum[6]
Kunstmarkt
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Husum kunstumschlungen 2003
Leuchtenobjekte von Krüger werden auf dem Kunstmarkt hoch gehandelt. 2016 erzielte ein 6er-Set „Cross-Oyster“-Wandleuchte (bekannt auch als „Kreuzauster“, designt 1968 für Staff) auf einer Auktion im Dorotheum im Jahr 2016 den Preis von 5000 Euro.[32] Über 1stdibs wurde eine „Cross-Oyster“-Lichtskulptur zum Preis von 13.500 Euro angeboten und verkauft.[33]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Designer: Rolf Krüger. In: Vintageinfo.be. Vintageinfo – All About Vintage Lighting (englisch).
- Anja Jungvogel: Künstlerportrait. Wer kennt die Design-Klassiker Cross Oyster von Rolf Krüger? In: wp.de. Westfalenpost, 5. Dezember 2024.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bombenangriff „Gomorrha“ auf Hamburg 1943. In: Hans Brunswig: Feuersturm über Hamburg. Motorbuch-Verlag spezial.
- ↑ Deutsches Rotes Kreuz, Suchdienst München. Zeichen: DIR-mi-DT-OP/VA – Datum: 17. September 1993. An Frau Marie Krüger, Hebbelstraße 16, 25813 Husum. Betr.: Ehemann Krüger, Kurt geb.: 20.06.1909, verstorben 09.11.1944 in Arsk, Tartar. Rep.
- 1 2 Neue Ausstellung im Nissenhaus. Sitzrohre und Glaskunst – Rolf Krügers Werke werden im Husumer Nordsee-Museum gewürdigt. In: Nordschleswiger.dk. 22. März 2022, abgerufen am 13. September 2025.
- 1 2 3 4 5 Rüdiger Otto von Brocken: Preisgekrönt. Wenn ein Kanalrohr zum Sitzmöbel wird. In: shz.de. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Husumer Nachrichten, 4. September 2008, abgerufen am 30. Januar 2026.
- 1 2 3 Rolf Krüger, Dipl.-Designer. In: Designretter.de. Abgerufen am 30. Januar 2026.
- 1 2 3 Licht und Glas. Produktdesign von Rolf Krüger. In: Museumsverbund-Nordfriesland.de. 16. März 2022, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 11. November 2024; abgerufen am 30. Januar 2026.
- 1 2 3 4 5 6 Martin Schwarz: Designer hat mit Form- und Farbgebung Trends gesetzt. In: DerWesten.de. 5. Dezember 2015, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 4. Dezember 2021; abgerufen am 30. Januar 2026.
- 1 2 3 Rüdiger Otto von Brocken: Husumer Designer Rolf Krüger. Glas war und ist sein Leben. In: shz.de. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Husumer Nachrichten, 16. Januar 2018, abgerufen am 13. September 2025.
- 1 2 Rüdiger Otto von Brocken: 50 Jahre Design. Fragiles Geschenk für Schloss Gottorf. In: shz.de. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Husumer Nachrichten, 29. November 2015, abgerufen am 13. September 2025.
- 1 2 Designer: Rolf Krüger – Neuhaus. In: Vintageinfo.be. Vintageinfo – All About Vintage Lighting, abgerufen am 13. September 2025 (englisch).
- 1 2 Staff Cross Oyster Wall Lamp or Flush Mount. In: Vintageinfo.be. Vintageinfo – All About Vintage Lighting, 9. Februar 2022, abgerufen am 13. September 2025 (englisch).
- 1 2 3 Designer: Rolf Krüger. In: Vintageinfo.be. Vintageinfo – All About Vintage Lighting, abgerufen am 13. September 2025 (englisch).
- 1 2 Kirchenlicht steht nicht unterm Scheffel. Schott-Designer Rolf Krüger ist der Schöpfer der gelungenen Stadtpfarrkirchen-Beleuchtung. In: Bayerwald-Bote, online abrufbar über Vintageinfo.be. Abgerufen am 13. September 2025.
- ↑ Der Beleuchtungsdesigner. In: Broschüre Stadtpfarrkirche „Heilige Familie“ – Altarweihe 10. April 1994. Hrsg.: Katholische Pfarrkirchenstiftung, Griesbach i.R., S. 45.
- ↑ Martin Schwarz: Re-Edition nach 50 Jahren. Neheimer Designer sorgt für Comeback der Kreuzauster-Leuchte. In: wp.de. Westfalenpost, 5. Dezember 2019, abgerufen am 13. September 2025.
- ↑ 150 Jahre Christuskirche. Mit der Eröffnung der Ausstellung eröffnet die Gemeinde jetzt die Jubiläumsfeierlichkeiten. In: SauerlandKurier vom 30. September 2012.
- ↑ Religion. Neuer Kreuzweg wirkt tiefgründig. In: wp.de. Westfalenpost, 30. Mai 2015, abgerufen am 13. September 2025.
- 1 2 hn: Skulpturenpfad. Ein Abwasserrohr auf der Deichspitze. In: shz.de. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Husumer Nachrichten, 6. Juni 2013, abgerufen am 13. September 2025.
- ↑ Moosfelde präsentiert eigenes Stadtteillogo auf Maimarkt – Neues Markenzeichen bei Blumen- und Krammarkt. In: neheim-huesten.de. 16. April 2010, abgerufen am 13. September 2025.
- 1 2 Anja Jungvogel: Kunst und Kultur. Design-Ikonen hautnah: Sauerland-Museum lädt ein! In: wp.de. Westfalenpost, 6. Juni 2024, abgerufen am 13. September 2025.
- ↑ Hans-Josef Vogel: Donatorenfeier 2005 – Eröffnung „Kaiserhaus“. (PDF) In: bra.nrw.de. Bezirksregierung Arnsberg, archiviert vom am 23. Januar 2025; abgerufen am 20. Mai 2026.
- ↑ Wertvolle Anregungen für die jungen Künstler. In: SauerlandKurier.de. 31. März 2007, abgerufen am 13. September 2025.
- ↑ Anja Jungvogel: Künstlerportrait. Wer kennt die Design-Klassiker Cross Oyster von Rolf Krüger? In: wp.de. Westfalenpost, 5. Dezember 2024, abgerufen am 13. September 2025.
- ↑ Redaktion: Arnsberger Designer gestaltet Wände im Josefsheim Bigge. In: Westfalenpost. 29. März 2010, abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Das Sitzen neu erfunden. In: shz.de. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 27. Dezember 2022, abgerufen am 13. September 2025.
- ↑ Erster Preis fiel an einen Lemgoer Designer: Beim Rosenthal-Wettbewerb erfolgreich. In: Lippische Rundschau, Dezember 1968.
- ↑ Staff Pendant Lamp 5480. In: Vintageinfo.be. Vintageinfo – All About Vintage Lighting, 9. Februar 2022, abgerufen am 13. September 2025 (englisch).
- ↑ Glasserie „Geometria“. In: emuseum-duesseldorf.de. Abgerufen am 13. September 2025.
- ↑ Schott-Gläser sind jetzt auch im Kunstgewerbemuseum Berlin. In: Bayerwald-Bote vom 8. Dezember 2018.
- ↑ Archiv-HSK-Kreisarchiv-Hochsauerlandkreis / Plakate 1993/16.
- ↑ „Glasdesign und ausdrucksstarke Bilder. Der heimische Künstler Rolf Krüger stellt vom 7. bis 31. Mai im Rathaus aus.“ In: Westfalenpost vom 21. April 1995.
- ↑ Lot Nr. 310. 6er Set „Kreuzauster“-Wandleuchten Mod. 7398, Entwurf Rolf Krüger. In: Dorotheum.com. 16. Juni 2016, abgerufen am 13. September 2025.
- ↑ Cross Oyster-Lichtskulptur, 1968. Entwurf von Rolf Krüger für Staff, Deutschland. In: 1stdibs.com. Abgerufen am 13. September 2025.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Krüger, Rolf |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Designer und Maler |
| GEBURTSDATUM | 13. Dezember 1939 |
| GEBURTSORT | Hamburg |