Riva Group
| Riva Group | |
|---|---|
| Rechtsform | Società per azioni |
| Gründung | 1954 |
| Sitz | Mailand, |
| Leitung | Claudio Riva, Präsident |
| Mitarbeiterzahl | 5.500[1] |
| Umsatz | 4,37 Mrd. EUR[1] |
| Branche | Stahlindustrie |
| Website | www.rivagroup.com |
| Stand: 31. Dezember 2021 | |
Riva Group mit Sitz im italienischen Mailand ist eines der führenden europäischen Elektrostahlunternehmen. Im Jahr 2022 belegte der Konzern im Ranking der World Steel Association der größten Stahlproduzenten weltweit den neunundsechzigsten Platz.[2] Die gesamte Stahlproduktion des Konzerns wird durch Elektroöfen erzeugt.[3][4]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Riva Group wurde 1954 von den Brüdern Emilio (1926–2014) und Adriano Riva (1931–2019) gegründet, um Eisenschrott für die Elektroofen-Stahlwerke in der Provinz Brescia zu handeln.
Die Stahlproduktion begann 1957 in Caronno Pertusella (Varese), wo das erste Produktionswerk mit einem Elektroofen errichtet wurde. Im Jahr 1964 wurde zum ersten Mal in Italien eine gebogene Stranggussanlage mit drei Linien installiert, die durch den Ingenieur Luigi Danieli als Maschinenbauer und den Ingenieur Enzo Colombo als Konstrukteur hergestellt wurde. Die frühe Übernahme des Stranggusses im Vergleich zu den Wettbewerbern wurde somit zu einem Wettbewerbsvorteil des Unternehmens, das in den folgenden Jahren seinen Expansionsprozess in Italien und im Ausland begann.
Mit der Übernahme der „Acciaerie e Ferriere del Tanaro“ in Lesegno (Cuneo) im Jahr 1966 und der S.E.E.I. in Malegno (Brescia) im Jahr 1970 wurde die Stahlproduktion erheblich erweitert. Dies ermöglichte es der Riva Group, sich auf dem italienischen Markt für Langprodukte, Profile, Stäbe und Bewehrungsstahl auszudehnen.
Ende der 1960er Jahre erreichte die Riva Group bereits eine jährliche Gesamtproduktion von etwa 300.000 Tonnen und bot eine breite Palette von Langprodukten an.

Im Jahr 1971 tätigte die Riva Group ihre erste bedeutende ausländische Investition. Im Jahr 1978 war die Riva Group der erste europäische Betreiber, der Stahl direkt nach China verkaufte, einem Markt, der bis dahin ausschließlich von Japan beliefert wurde.[5]
In den folgenden Jahren beteiligte sich die Gruppe aktiv am Privatisierungsprozess der europäischen Stahlindustrie. Sie erwarb verschiedene Produktionsstätten in Italien, sowie in Frankreich, Belgien und Deutschland.[5]
Die Rolle bei deutschen Privatisierungen nach der Wiedervereinigung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Riva Group spielte eine wichtige Rolle bei den Privatisierungen in Ostdeutschland nach der deutschen Wiedervereinigung. Im März 1992 verkaufte die Treuhandanstalt, die staatliche Gesellschaft für die Privatisierung von Unternehmen in Ostdeutschland, zwei ehemalige Volkseigene Betriebe ,das Elektrostahlwerk und das Drahtwalzwerk der „Brandenburger Elektrostahlwerke GmbH“ sowie das Elektrostahlwerk und das Walzwerk der „Hennigsdorfer Stahl GmbH“, für jeweils 55 und 47 Millionen Mark an die Riva Group.[6]
Nach der Übernahme initiierte Riva eine Modernisierung und Steigerung der Produktivität der Anlagen. Rund 200 Millionen Mark wurden in die Umstrukturierung der Anlagen investiert. Insgesamt investierte die Riva Group einen Betrag von etwa 400 Millionen Euro.
Die Modernisierung beinhaltete die Einführung von Elektroschmelzöfen und Stranggießanlagen sowie einen neuen Bereich für die Produktion von elektrisch geschweißten Bewehrungsnetzen im Brandenburger Werk.[6][7]
Etwa ein Jahr nach der Privatisierung steigerte das Hennigsdorfer Werk, das ursprünglich etwa 500.000 Tonnen Stahl pro Jahr produzierte, seine Produktion auf 600.000 Tonnen, und erreichte im Jahr 2007 die Marke von 900.000 Tonnen. Ähnlich erhöhte das Brandenburger Werk seine Produktion von 750.000 Tonnen pro Jahr auf 1,6 Millionen Tonnen. Bereits zum 10-jährigen Jubiläum der Werke im Land Brandenburg im Jahre 2002, würdigte Ministerpräsident, Manfred Stolpe, öffentlich die Erfolgsgeschichte der Riva Group. Er sprach er von einem „Segen für das Land Brandenburg“ und betonte in Riva einen verlässlichen und kompetenten Partner gefunden zu haben, der dem Land in einer von Deindustrialisierung geprägten Nachwendezeit zur Seite stand und die Tradition der Stahlindustrie fortsetzte. Trotz der Branchenkrise im Jahr 2013 arbeiteten die beiden Werke weiterhin mit einer Produktivität von 85 %.[8]
Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Werksübernahme durch die Riva Group im Jahre 2022, lobte der damalige Ministerpräsident Dietmar Woidke die Tätigkeit der Gruppe in der Region als eine „echte Erfolgsstory“.[9] Hervorgehoben wurde seinerseits die große Treue der Riva Group zum Wirtschaftsstandort Brandenburg und den damit verbundenen Investitionen in die Zukunft.
Seit 2013 widmet sich die Riva Group, kontrolliert von der Holding „Riva Forni Elettrici“, ausschließlich der Produktion von Stahl in Elektroöfen.
Die Gruppe wurde von ihrem Gründer Emilio Riva als Präsident bis zum 30. April 2014 geführt. Sein Nachfolger an der Spitze des Konzerns und derzeitiger Präsident ist Claudio Riva.
Technologische Innovationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit der Installation der ersten Stranggußanlage (1964) bis heute investierte die Gruppe kontinuierlich in technologische Innovationen zur Stahlproduktion mithilfe von Elektrolichtbogenöfen, unter Verwendung von Eisenschrott. Diese Methodik zielt darauf ab, die Recyclingfähigkeit von Stahl zu nutzen. In diesem Zusammenhang erwarb die Riva Group im Jahr 2022 acht Sammel- und Aufbereitungsstandorte für Eisenmaterialien in Frankreich.[4][10]
Produktionsstätten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Laufe der Jahre hat die Riva Group durch eine Reihe von Übernahmen und strategischen Operationen ein umfangreiches Netzwerk von Produktionsstätten aufgebaut, das es ihr ermöglicht, in verschiedenen Ländern tätig zu sein: Italien, Frankreich, Deutschland, Belgien, Kanada und Spanien.[11]
Anerkennungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Für seine Rolle bei der Umstrukturierung der europäischen Stahlindustrie wurden Emilio Riva folgende Auszeichnungen verliehen: Großes Verdienstkreuz des belgischen Königs (2000), Ritter des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2002) und die Ehrenlegion Frankreichs (2005)[12]. Étienne Davignon, der Anfang der 1980er Jahre als EU-Kommissar den „Davignon-Plan“ zur Erneuerung der Stahlindustrie auf dem alten Kontinent befürwortete, erklärte: „Die Stahlindustrie ist keine Industrie wie die anderen, und die Riva Group ist kein Stahlkonzern wie die anderen“. Er definierte Emilio Riva als „lebenden Beweis einer dynamischen und optimistischen Vision des Privatunternehmens“[13].
- Die Werke der Riva Group in Valle Camonica wurden im September 2021 mit dem Safety Award 2020/2021 ausgezeichnet, der vom italienischen Metallurgieverband für die durchgeführten Maßnahmen im Bereich Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz verliehen wird.[14]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 ilsole24ore.com - Riva forni elettrici, nel 2021 ricavi per 4,37 miliardi
- ↑ 2022/2021 top steel-producing companies. (PDF) Abgerufen am 20. Januar 2025 (englisch).
- ↑ Il laboratorio della Riva di Lesegno: unico in Italia con il sistema di simulazione dell’acciaio - La Provincia Granda. Abgerufen am 20. Januar 2025 (italienisch).
- 1 2 Sous le pont de Cheviré, l’entreprise italienne Riva acier arrive sur le site du broyeur de métaux. Abgerufen am 20. Januar 2025 (französisch).
- 1 2 Group's History. Abgerufen am 20. Januar 2025 (englisch).
- 1 2 Riva Stahl. Abgerufen am 20. Januar 2025.
- ↑ Kaum schlagbar - DER SPIEGEL. Abgerufen am 20. Januar 2025.
- ↑ Stahlindustrie Europa fürchtet Niedergang - manager magazin. Abgerufen am 20. Januar 2025.
- ↑ Woidke: Landesregierung in der Energiekrise an der Seite der brandenburgischen Stahlwerke. Abgerufen am 20. Januar 2025.
- ↑ Hoche Avocats assists Derichebourg Environnement in the sale of eight metal waste collection and recycling sites to the Riva steel group in January 2023 - Hoche Avocats. Abgerufen am 20. Januar 2025 (französisch).
- ↑ Production sites. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 24. Juni 2024; abgerufen am 20. Januar 2025 (englisch).
- ↑ Emilio Riva. Abgerufen am 20. Januar 2025 (englisch).
- ↑ Étienne Davignon: Foreword to Riva 1954-1994. Hrsg.: Margherita Balconi. Milan 1995, S. 2.
- ↑ Bandi per metallurgisti dell'associazione Aim. Abgerufen am 20. Januar 2025 (italienisch).
