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Nevada National Security Site

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Neues Logo der Nevada National Security Site (NNSS) ab ca. 2010
Nevada Test Site (NTS) und Umgebung. Links und rechts davon liegt die Nellis Air Force Range. Nördlich der NTS liegt die Area 51 und noch weiter nördlich die Tonopah Test Range (TTR).
Explosionskrater im Yucca Flat. In diesem Bereich fanden die meisten Tests statt.
Auswirkungen von Tests auf die geologische Oberfläche nach einer Studie des U.S. Geological Survey (USGS).
Kernwaffentest „Dog“ der Buster Operation – die 21 kT Explosion fand am 1. November 1951 statt. Die Truppen sind ca. 6 Meilen (9,5 Kilometer) von der Explosion entfernt.
Operation Buster-Jangle Uncle, der erste unterirdische Kernwaffentest (UGT) am 29. November 1951
Boden-Explosion des Geräts Badger der Operation Upshot-Knothole gezündet am 18. April 1953 mit einem Yield von etwa 23 kT.

Die Nevada National Security Site (NNSS)[1] und bis 2010 die Nevada Test Site (NTS)[2] ist ein US-amerikanisches Atomwaffentestgelände. Das Gelände liegt innerhalb der Nellis Range und ist ein rund 3500 km² großes Sperrgebiet nördlich von Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada. Die südlichste Siedlung auf dem Gelände ist Mercury.

Die NTS verfügt über 28 verschiedene Testgelände, 1100 Gebäude, 640 Kilometer asphaltierte Straßen, 480 Kilometer Schotterpisten, 10 Hubschrauberlandeplätze und 2 Behelfsflugplätze.

Für Besucher gibt es das National Atomic Testing Museum (Atomic Museum) in Las Vegas.[3]

Die NTS war über Jahrzehnte Teil der Atomic Energy Commission (AEC). Die NNSS ist heute Teil der National Nuclear Security Administration (NNSA).

Kernwaffentests

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Von 1951 bis 1962 wurden auf dem Testgelände 119 oberirdische Kernwaffentests (AGT) und von 1962 bis zum Teststopp-Memorandum 1992 über 1000 unterirdische Atomwaffentests (UGT) durchgeführt. Die Pilzwolken der oberirdischen Atombombentests waren zum Teil bis in das etwa 100 Kilometer entfernte Las Vegas zu sehen, auch die seismischen Erschütterungen waren dort zu spüren.

Allen Tests ist gemeinsam, dass sie die Funktion eines Kernsprengkopfs validieren. Dazu kommen sämtliche nachgeschaltete radiochemische Analysen der Spaltprodukte und weiterer radioaktiver Produkte (auch Gase), die Aufschluss über die Experimente bzw. die Leistungsfähigkeit der Waffe geben. Die Analysen wurden ab den 1950er Jahren von Wissenschaftlern am University of California Radiation Laboratory „Rad Lab“ in Livermore durchgeführt, das heute Teil des Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) ist.

Neben den Kernwaffentests gab es zahlreiche andere physikalische Versuche, für die auch der ungewöhnliche BREN-Tower errichtet worden war.

Ein typischer Teststand auf der NTS: Rechts ist der Bohrturm zu sehen. Links davon befindet sich die Verkabelung zur Messtechnik und Diagnose, die in Containern untergebracht ist. Die Krater anderer Untererdetests (UGT) sind ebenfalls erkennbar.

Das nukleare explosive Gerät Pascal-A der Operation Plumbbob war der erste Schachttest, d. h. im Untergrund, am 26. Juli 1957 und der 100. Test der USA. Bis 1963 wurden Luft- und Bodentests (AGT) auf der NTS ausgeführt, teilweise auch schon Untererdetests (UGT). Der Limited Test Ban Treaty (LTBT) Vertrag verbot diese.

Operation Dominic II war die letzte Testkampagne bevor man auf der NTS ausschließlich unter der Erde getestet hat. Die UGTs wurden wiederum durch das Schwellenwert-Teststoppabkommen (TTBT) auf maximal 150 kT Ausbeute (Yield) eingeschränkt.

Die NTS wurde nach 1958 auch von Großbritannien für einige Tests benutzt. Während des Zweiten Weltkriegs entwickelten beide Nationen im Manhattan Engineer District (MED) gemeinsam die Grundprinzipien der Atombombe bzw. genauer die eines Kernsprengkopfs.

Am 23. September 1992 wurde der letzte UGT als Teil der Operation Julin auf der NTS durchgeführt. Seit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Kriegs haben die Kernwaffenstaaten in einem umfangreichen Programm ihren alten Kernwaffenproduktionskomplex abgebaut und alle Entwicklungen in einen Instandhaltungsbetrieb (Stockpile Stewardship) umgewandelt. Seitdem wurden Tausende Kernwaffen entsorgt und einige wenige (im Falle der USA) in verschiedenen Programmen so erhalten, dass ihre Funktionsfähigkeit ohne aktive Tests gewährleistet ist. Diese Kernwaffen sind derzeit im Einsatz bei den US-amerikanischen Atomstreitkräften.

Joint Verification Experiment

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Im Zuge des Threshold Test Ban Treaty (TTBT) wurde zwischen der ehemaligen Sowjetunion und den USA ein sog. Joint Verification Experiment (JVE) durchgeführt. Das JVE war eine Kooperation der Länder zur Messung der Sprengkraft von Atomtests auf beiden Seiten, um einen Überprüfungsmechanismus für den TTBT-Vertrag zur Begrenzung der Sprengkraft solcher Tests zu schaffen.

Andere Aktivitäten

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Raketenexperimente

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Auf der NNSS wurden zahlreiche Raketenexperimente durchgeführt, wie die nuklear angetriebene NERVA-Rakete und sogar ein nukleares Staustrahltriebwerk. In den 1950er Jahren erfolgten zahlreiche Starts von Forschungsraketen zur Untersuchung der Explosionswolken der Atombomben. 1997 wurden auf dem Testgelände einige Höhenforschungsraketen des Typs Castor-Orbus bei 36° 45′ N, 116° 7′ W gestartet.

Umweltmonitoring

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Um das Gebiet wurde im Rahmen des Community Environmental Monitoring Program ein ODL-Messnetz errichtet, mit dem die luft-, boden- und wassergetragene Orts-Dosisleistung überwacht wird.[4] Das Messnetz wurde im Jahr 1981 aufgebaut und verfügt heute über 29 Sondenstandorte in den Bundesstaaten Nevada, Utah und Kalifornien. Sitz der Messnetzzentrale ist das Western Regional Climate Center in Reno.

Auf Grund des Vertrages von Ruby Valley (1863), der ihnen zwei Drittel Nevadas zusicherte, wird das Gelände von den Westlichen Shoshonen beansprucht. Seit Jahrzehnten ist die Haupteinfahrt zum Testgelände an der US 95 (Abfahrt Mercury, 36° 36′ 9,5″ N, 115° 59′ 56,2″ W) Zielort vieler Antiatomproteste aus allen Teilen der USA.

Das umstrittene, in den Planungen jedoch seit Februar 2009 gestoppte nukleare Endlager der USA unter dem Bergrücken von Yucca Mountain befindet sich teilweise auf dem Gebiet der NNSS.

Versuchsserien auf dem Testgelände von Nevada

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Name Zeitraum Anzahl Tests Meilensteine
Operation Ranger 1951 5 Erste Tests auf der NTS
Operation Buster-Jangle 1951 7
Operation Tumbler-Snapper 1952 8
Operation Upshot-Knothole 1953 11
Operation Teapot 1955 14
Project 56 1955–1956 4
Operation Plumbbob 1957 30
Project 57 1957 1
Project 58 1957–1958 4
Operation Hardtack II 1958 37
Operation Nougat 1961–1962 44 LTBT-Vertrag verbietet AGT
Operation Dominic II 1962 4 Letzten AGT auf der NTS, danach alle UGT
Operation Storax 1962–1963 48
Operation Niblick 1963–1964 41
Operation Whetstone 1964–1965 47
Operation Flintlock 1965–1966 48
Operation Latchkey 1966–1967 37
Operation Crosstie 1967–1968 47
Operation Bowline 1968–1969 48
Operation Mandrel 1969–1970 51
Operation Emery 1970–1971 16
Operation Grommet 1971–1972 33
Operation Toggle 1972–1973 27
Operation Arbor 1973–1974 19
Operation Bedrock 1974–1975 27 Schwellenwert-Teststoppabkommen (TTBT) von USA und UdSSR unterzeichnet, ab dann UGT Yield < 150 kT
Operation Anvil 1975–1976 21
Operation Fulcrum 1976–1977 21
Operation Cresset 1977–1978 23
Operation Quicksilver 1978–1979 18
Operation Tinderbox 1979–1980 15
Operation Guardian 1980–1981 16
Operation Praetorian 1981–1982 22
Operation Phalanx 1982–1983 19
Operation Fusileer 1983–1984 17
Operation Grenadier 1984–1985 17
Operation Charioteer 1985–1986 18
Operation Musketeer 1986–1987 15
Operation Touchstone 1987–1988 14
Operation Cornerstone 1988–1989 12
Operation Aqueduct 1989–1990 11
Operation Sculpin 1990–1991 8
Operation Julin 1991–1992 8 Gerät Divider, der letzte UGT-Kernsprengkopftest der USA am 23. September 1992; ab dann Übergang zum Nichttestbetrieb "Stockpile Stewardship"; die NTS bleibt weiterhin in Betrieb und wird zum NNSS-Testkomplex umgebaut.
Summe1951–1992933

21. Jahrhundert – Subkritische und andere Tests

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Teilchenbeschleuniger und Spallationsquelle am Los Alamos Neutron Science Center (LANSCE) auf der Technical Area 53 von Los Alamos. (2009)

Seit den 2000er Jahren versuchen die USA, ihr Kernwaffenarsenal mithilfe verschiedener Methoden in einem Laborbetrieb (in den USA als Stockpile Stewardship Program bekannt) durch aufwendige Experimenten und Computersimulationen (Computerphysik) zu erhalten. Dazu kommen spezielle Kritikalitäts- und Hydrodynamik-Tests. In vielen dieser Experimente spielen Röntgenstrahlen, die zur Aufnahme der Vorgänge im Subnanosekundenbereich dienen, eine entscheidende Rolle. Dieses Verfahren ist auch als Flash X-Ray (FXR) bekannt.[5] Als Ersatz für nukleare Materialien (Spaltstoffe) werden auch andere Materialien eingesetzt. Des Weiteren werden hochexplosive Sprengstoffe erprobt. Eine umfangreiche Materialwissenschaft begleitet diese Aktivitäten mit Hinblick auf die Alterung und Ersatz von Bauteilen und Komponenten.

Diese Anforderungen gehen auf die Begründung des Stockpile Stewardship Programs (SSP) der USA zurück. SSP wurde im Jahr 1993 (1. Amtszeit Bill Clinton, zuvor George H. W. Bush), also kurz nach dem letzten Schachttest der USA, durch Public Law 103-160 formell begründet und durch den National Defense Authorization Act (NDAA) of Fiscal Year 1994 finanziert.[6]

Für die Experimente kommen zahlreiche Maschinen und Anlagen aus der Teilchen- und Kernphysik zum Einsatz, beispielsweise am Los Alamos Neutron Science Center (LANSCE)[7][8], dem Nachfolger der Los Alamos Meson Physics Facility (LAMPF). Damit können Teilchen bzw. Kräfte wie Mesonen oder Nukleonen (Protonen oder Neutronen) erforscht oder für Forschungszwecke, z. B. Neutronenstreuung, genutzt werden. Waffenbezogene Experimente finden am Weapons Neutron Research (WNR) Center als Teil des LANSCE statt. Weitere Experimente und Tests erfolgen mittels großer Trägheitsenergien-Anlagen, z. B. National Ignition Facility (NIF).

Mithilfe dieser und anderer Verfahren werden beispielsweise Alterungseffekte von Plutonium erforscht.[9] Als starker Alphastrahler bestrahlt das Metall sich selbst mit Heliumkernen und verursacht dabei verschiedene Strukturdefekte. Diese und andere Hintergründe waren für die National Nuclear Security Administration (NNSA) ausschlaggebend, die PF-4 in Los Alamos, eine kerntechnische Anlage für Plutonium, umzubauen für produktive Zwecke. Seit etwa 1990 ist die alte und große Anlage Rocky Flats geschlossen und die Massenproduktion von Plutoniumkernen (Pits) wurde eingestellt, bzw. nach vielen Jahren an PF-4 übergeben, um geringe Stückzahlen zu liefern.

Seit den 2020er Jahren werden verschiedene Anlagen, darunter der U1a-Komplex des NNSS, heute das Principal Underground Laboratory for Subcritical Experiments (PULSE)[10] zu neuartigen Testzwecken ausgebaut.[11]

Das russische (ehemals sowjetische) Pendant zur NTS sind die beiden Atomwaffentestgelände

Es gibt noch weitere Erprobungsstellen bzw. Testplätze, jedoch sind diese in Bezug auf Atomwaffen die bekanntesten.

  • AEC: Assuring Public Safety in Continental Weapons Tests. United States Atomic Energy Commission, Washington, D.C. 1953 (englisch, archive.org).
  • Anthony Turkevich: Assuring Public Safety in Continental Weapons Tests: AEC Thirteenth Semiannual Report. In: Bulletin of the Atomic Scientists. Band 9, Nr. 3, April 1953, S. 85–89, doi:10.1080/00963402.1953.11457390 (englisch).
  • S. Glasstone, Philip J. Dolan: Die Wirkungen der Kernwaffen. Carl Heymanns Verlag, Köln 1964 (Basiert auf der 2. Aufl. Glasstone "The Effects of Atomic Weapons").
  • P. Chadwick, A. D. Cox, H. G. Hopkins: Mechanics of deep underground explosions. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Series A, Mathematical and Physical Sciences. Band 256, Nr. 1070, 23. Juli 1964, S. 235–300, doi:10.1098/rsta.1964.0006 (englisch).
  • Edwin B. Eckel: Nevada Test Site (= Memoir. Band 110). Geological Society of America, Boulder, CO 1968 (englisch, archive.org).
  • S. Glasstone: Public Safety and Underground Nuclear Detonations. 1971, doi:10.2172/4007004 (englisch).
  • Frank H. Shelton: Reflections of a Nuclear Weaponeer. Shelton Enterprises, Colorado Springs, CO 1988, ISBN 978-1-881816-02-7 (englisch).
  • DOE Nevada Operations Office: United States Nuclear Tests - July 1945 through September 1992 (DOE NV-209). Nevada Operations Office, Nevada 2015 (englisch, nnss.gov [PDF] NV-209 ist das offizielle und öffentliche Dokument des DOE/NNSA zu allen US-Tests.).

Sachliteratur und Andere

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Commons: Nevada Test Site – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Kernwaffentests auf der Nevada Test Site – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Nevada National Security Sites (NNSS). DOE, abgerufen am 11. Juni 2025 (englisch).
  2. Nevada nuclear bomb site given new name. In: upi.com. 23. August 2010, abgerufen am 2. März 2024 (englisch).
  3. National Atomic Testing Museum. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).
  4. Community Environmental Monitoring Program des Department of Energy's National Nuclear Security Administration Nevada Field Office (NNSA/NFO) und dem Desert Research Institute
  5. X-Ray Machine Does Double Duty | Science & Technology Review. LLNL, 2018, abgerufen am 25. Februar 2026 (englisch).
  6. Ronald V. Dellums: H.R.2401 - 103rd Congress (1993-1994): National Defense Authorization Act for Fiscal Year 1994. In: Congress.gov. 30. November 1993, abgerufen am 24. März 2026 (englisch).
  7. Suzanne F. Nowicki, Stephen A. Wender, Michael Mocko: The Los Alamos Neutron Science Center Spallation Neutron Sources. In: Physics Procedia. Band 90, 2017, S. 374–380, doi:10.1016/j.phpro.2017.09.035 (englisch, elsevier.com [abgerufen am 25. Februar 2026]).
  8. Steven Russell et al.: Update on the status of Los Alamos Neutron Science Center accelerator modernization. 23. Oktober 2024, ISSN 2226-0366, S. 255–257 pages, 1.3 MB, doi:10.18429/JACOW-LINAC2024-MOPB095 (englisch, jacow.org [abgerufen am 25. Februar 2026]).
  9. Joseph C. Martz, Adam J. Schwartz: Plutonium: Aging mechanisms and weapon pit lifetime assessment. In: JOM. Band 55, Nr. 9, September 2003, ISSN 1047-4838, S. 19–23, doi:10.1007/s11837-003-0023-0 (englisch, springer.com [abgerufen am 25. Februar 2026]).
  10. Principal Underground Laboratory for Subcritical Experimentation (PULSE). In: Nevada National Security Site. Abgerufen am 25. Februar 2026 (amerikanisches Englisch).
  11. Geoff Brumfiel: Step inside the secret lab where America tests its nukes. In: NPR. 29. Januar 2025 (englisch, npr.org [abgerufen am 25. Februar 2026]).

Koordinaten: 37° 8′ 10″ N, 116° 4′ 7″ W