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Melitta Bentz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
A. A. M. Liebscher/Bentz

Melitta Bentz (* 31. Januar 1873 in Dresden als Amalie Auguste Melitta Liebscher; † 29. Juni 1950 in Holzhausen an der Porta Westfalica) war eine deutsche Unternehmerin und entwickelte 1908 den vorgefertigten Einweg-Kaffeefilter.

Ausstellung Frauenorte Sachsen, Melitta Bentz (Dresden). Eine weitere Tafel befindet sich in der Wilder-Mann-Str. 13a in Dresden-Trachau

Melitta Bentz war die Tochter des Dresdner Verlagsbuchhändlers Karl Liebscher.[1] Als 35-jährige Hausfrau und Mutter experimentierte sie an einer einfachen Methode, um den Kaffeesatz im fertigen Kaffee zu vermeiden. Die damaligen Verfahren benutzten gewöhnliche Trichter und Filter aus Textil oder Löschpapier, die erst ausgeschnitten werden mussten, und waren somit recht aufwendig.[2] Melitta nahm aus den Schulheften ihres Sohnes Willy die Löschblätter, die sie in eine Konservendose legte, deren Boden sie mit Nägeln durchlöchert hatte.[3] Als diese einfache Technik in ihrem Freundeskreis auf allgemeine Begeisterung stieß, entschloss sie sich, ihre Idee zu vermarkten.

Am 20. Juni 1908 erhielt sie vom kaiserlichen Patentamt in Berlin den Gebrauchsmusterschutz für ihren Rundfilter mit vorgefertigtem Filterpapier.[4][5][6] Am 15. Dezember 1908 wurde das Unternehmen „M. Bentz, Marschallstraße 31“ mit einem Startkapital von 72 Pfennigen als „kaufmännisches Agentur- und Kommissionsgeschäft“ in das Dresdner Handelsregister eingetragen.[7]

Melitta und Hugo Bentz

Melittas Ehemann Johannes Emil Hugo Bentz (* 20. April 1873 in Clausthal-Zellerfeld als zwölfter Sohn des dortigen Rektors; † 28. Januar 1946 in Minden), war Abteilungsleiter in einem Dresdner Kaufhaus und machte sich 1906 selbstständig.[8] Das Ehepaar Bentz und seine Söhne Willy (* 25. Oktober 1899) und Horst (* 27. Mai 1904)[9] waren die ersten Mitarbeiter des aufstrebenden Unternehmens. Im Jahr 1911 errang das Unternehmen goldene und silberne Medaillen der Internationalen Hygieneausstellung und des sächsischen Gastwirtevereins für den Filter. Am 24. Februar 1911 kam Tochter Hertha zur Welt.

Ein Melitta-Kaffeefilter mit Filtertüte

Die kleine Vierzimmerwohnung in der Pirnaischen Vorstadt wurde für das schnell wachsende Geschäft zu klein, sodass das Familienunternehmen 1914 umziehen musste. Fortan erfolgte die Produktion mit 15 Mitarbeitern in einem mehrstöckigen Hinterhaus in Trachau, die Familie lebt im Vorderhaus. Das Gebäude in der Wilder-Mann-Straße 13a existiert bis heute. Es diente in den 1960er bis 1990er Jahren als Kindergarten und heute als Wohnhaus. Dort befindet sich auch eine Gedenktafel von Frauenorte Sachsen, die an das Wirken von Melitta Bentz erinnert.

Im Ersten Weltkrieg hielt Melitta Bentz den Betrieb mit der Herstellung von Kartons aufrecht und brachte so sich und ihre Kinder durch die Kriegsjahre. Ihr Ehemann und der ältere Sohn waren an der Front. Nach dem Krieg wuchs das Unternehmen rasant weiter: 1920 und 1924 wurden zusätzliche Gebäude hinzugekauft. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 100.000 Filter produziert worden. Der Geschäftszweck wurde z. B. um Teefilter, Konservengläser, Haushaltbücher und Sparbüchsen erweitert.

Ostern 1929 zog das Unternehmen von Dresden ins ostwestfälische Minden, da sich in Dresden keine geeigneten Produktionsräume fanden und die Grund- und Gewerbesteuer stark erhöht wurde. Die Nachfrage nach den Produkten war mittlerweile so groß, dass 80 Arbeiter im Doppelschichtsystem arbeiten mussten. Melitta Bentz war, auch nachdem sie sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, das „soziale Gewissen“ der Firma und kümmerte sich intensiv um die Mitarbeiter.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Melitta zum „Nationalsozialistischen Musterbetrieb“,[10] dessen Mitarbeiter unter Druck gesetzt wurden, nicht bei jüdischen Geschäften einzukaufen.[11]

Heute ist das von Melitta Bentz gegründete Unternehmen, die Melitta Unternehmensgruppe Bentz KG, eine internationale Gruppe mit 5.500 Beschäftigten, die von ihrem Urenkel Jero Bentz sowie von dem familienfremden Mitglied Katja Möller geführt wird.[12] Der Hauptsitz der Firma ist Minden.

Melitta Bentz starb 1950 77-jährig in Holzhausen bei Minden. Ihr zum Gedenken gibt es heute in Dresden, Schwäbisch Gmünd, Sarstedt, Telgte, München und Ellwangen eine Melitta-Bentz-Straße, in Minden und Stuttgart die Melitta-Straße. In der Tageszeitung Dresdner Neueste Nachrichten wurde sie im Jahr 2000 zu einer der „100 Dresdner des 20. Jahrhunderts“ gewählt.[13] Ihr Grab befindet sich auf dem Mindener Nordfriedhof.

Filtergefäß in Tassenform, Zeichnung aus Patent DE 617100
Filtertüte, Zeichnung aus Patent DE 640946
Melitta-Kaffeefilter, Zeichnung aus Patent DE 652010

Gebrauchsmuster von Melitta Bentz

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  • Gebrauchsmuster DE343556: Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem und mit Vertiefung versehenem Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern. Veröffentlicht am 20. Juni 1908, Erfinder: Melitta Bentz.
  • Gebrauchsmuster DE347895: Kaffeesieder mit nach unten trichterförmig gestaltetem, mit einem Abflußloch versehenem Boden und lose einliegendem Siebe, dessen Henkel bis an den Boden des Gefäßes herunterreicht. Angemeldet am 13. Juli 1908, veröffentlicht am 19. August 1908, Erfinder: Melitta Bentz.
  • Gebrauchsmuster DE347896: Kaffeefilter mit nach unten gewölbtem, mit einem Abflußloch versehenem Boden und lose einliegendem Siebe, dessen Henkel bis an den Boden des Gefäßes herunterreicht. Angemeldet am 13. Juli 1908, veröffentlicht am 19. August 1908, Erfinder: Melitta Bentz.

Patente der Melitta Werke

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  • Patent DE617100: Filtergefäß in Tassenform. Veröffentlicht am 12. August 1935, Anmelder: Melitta Werke Akt Ges.
  • Patent DE640946: Filtertüte in Tassenform. Veröffentlicht am 15. Januar 1937, Anmelder: Melitta Werke A G.
  • Patent DE652010: Aufbrühfilter. Veröffentlicht am 23. Oktober 1937, Anmelder: Melitta Werke Akt Ges.
Commons: Melitta Bentz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ABC der Deutschen Erfindungen. Reportage von Dorothee Ott und Kristine von Soden. Hessischer Rundfunk, 23. Dezember 2010
  2. Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie. Band 32, 1784, S. 172 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  3. Wußten Sie schon? dass der erste Kaffeefilter aus einer Konservenbüchse und Löschpapier entstand? Melitta Unternehmensgruppe, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Mai 2015; abgerufen am 19. Mai 2015.
  4. Kaffeefilter Melitta Bentz, Dresden 1908 Gebrauchsmuster Nr. 343556. In: dpma.de. Deutsches Patent- und Markenamt, abgerufen am 16. Juli 2026.
  5. Patentblatt, Auszüge aus den Patentschriften. In: dpma.de. Kaiserliches Patentamt, 8. Juli 1908, abgerufen am 16. Juli 2026.
  6. Putzen, einfrieren, Kaffee brühen. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 19. Mai 2015.
  7. Kleines Kapital, große Idee. In: Melitta Group Management GmbH & Co. KG. Abgerufen am 8. Juli 2025.
  8. 100 Jahre Melitta, die Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 09 ff.
  9. Melitta Bentz auf der Website der Melitta-Unternehmensgruppe (Memento vom 15. September 2016 im Internet Archive)
  10. Melitta Bentz: Von der sächsischen Hausfrau zur Chefin eines Weltkonzerns. 31. Januar 2023, abgerufen am 11. August 2025.
  11. Opa Bentz war kein Nazi. - Melitta - ein Musterbetrieb? - ein Beitrag zur Kritik des kollektiven Nachkriegsmythos der Deutschen - Teil 2 – Kritiknetz - Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft. Abgerufen am 11. August 2025.
  12. Cornelia Korinth: Neues Leitungsmitglied bei Melitta. In: wirmagazin. F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH, 7. Mai 2025, abgerufen am 8. Mai 2026.
  13. 100 Dresdner des 20. Jahrhunderts. In: Dresdner Neueste Nachrichten. Dresdner Nachrichten, Dresden 31. Dezember 1999, S. 22.