Gavi (Piemont)
| Gavi | ||
|---|---|---|
| Staat | Italien | |
| Region | Piemont | |
| Provinz | Alessandria (AL) | |
| Koordinaten | 44° 41′ N, 8° 49′ O | |
| Höhe | 233 m s.l.m. | |
| Fläche | 45,05 km² | |
| Einwohner | 4.372 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Fraktionen | Rovereto, Monterotondo, Alice, Pratolungo, Sottovalle | |
| Postleitzahl | 15066 | |
| Vorwahl | 0143 | |
| ISTAT-Nummer | 006081 | |
| Bezeichnung der Bewohner | Gaviesi | |
| Schutzpatron | San Giacomo | |
| Website | www.comune.gavi.al.it | |
Gavi und das Forte di Gavi | ||
Gavi (ligurisch Gâi) ist eine italienische Gemeinde mit 4372 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) in der Provinz Alessandria, Region Piemont. Sie ist Trägerin des vom Touring Club Italiano verliehenen Tourismus und Umweltsiegels Bandiera Arancione.[2]
Geographie
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Gavi liegt 35 km südöstlich der Provinzhauptstadt Alessandria auf einer Höhe von 233 m s.l.m. Der Ort befindet sich am rechten Ufer des Flusses Lemme, am Zusammenfluss mit dem Rio Neirone und ist von Hügeln umgeben, auf denen seit dem 15. Jahrhundert Weinbau betrieben wird. Das Gemeindegebiet umfasst mit den Fraktionen Rovereto, Monterotondo, Alice, Pratolungo und Sottovalle eine Fläche von etwas mehr als 45,9 km².
Die Nachbargemeinden sind Arquata Scrivia, Bosio, Carrosio, Francavilla Bisio, Isola del Cantone, Novi Ligure, Parodi Ligure, San Cristoforo, Serravalle Scrivia, Tassarolo und Voltaggio.
Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ort wurde erstmals in einer 874 datierten Schenkungsurkunde als Gaves erwähnt. Darin übertrug Graf Adalbert im Jahr zuvor seinen Besitz in Gurtweil an das Kloster Rheinau, dafür erhielt er Gavi auf Lebenszeit: „... in Italia accipiam locum in pago Tartonese situm, vocabulo Gaves... Actum in villa Gurtwila. Anno XXX. regi Hludewici regis, di lune, indictione VI. (ist 874)“.[3] 969 taucht das Toponym Gavius und 972 schließlich Gavi auf. Es lässt sich auf das weit verbreitete lateinische Anthroponym Gavius zurückführen.[4]
Geschichte
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Ausgrabungen lassen eine Besiedlung der Region bereits im Neolithikum vermuten. Während des Römischen Reiches existierte ein Militärposten zur Verteidigung der Straße Via Postumia. Nach dem Untergang Roms wurde der Ort von den Sarazenen erobert, unter deren Herrschaft, der Legende nach, die erste Burg durch eine Prinzessin Gavia errichtet wurde. Tatsächlich könnte der Name aus dem Gotischen vom Genitiv des Wortes Gau kommen.
Um das Jahr 1000 stand in Gavi eine Burg der mächtigen Obertenghi. Von ihnen stammte ein Zweig ab, der sich ab dem 12. Jahrhundert Markgrafen von Gavi nannte. Diese waren Verbündete Kaiser Barbarossas, der sich nach der Schlacht von Legnano 1176 hierher zurückzog. Auch 1177 hielt er sich nochmals hier auf.
Der Ort geriet dann in das Blickfeld der Republik Genua, da er sich an einer strategisch wichtigen Straße von der ligurischen Küste zur Poebene befand und 1202 wurde er ihrem Herrschaftsgebiet zugeschlagen. Die Machterweiterung Genuas bis in die Poebene hinein erregte die Feindschaft der Herrscher von Alessandria und der Ort geriet zuerst unter die Herrschaft der Visconti, später unter die der Franzosen und fiel erst im Jahr 1528, als Andrea Doria an die Macht kam, wieder an Genua.
Im Jahr 1625 wurde der Ort von den Savoyern erstürmt, nach nur 21 Tagen jedoch von Genua zurückerobert. Nach dem Ende des Krieges wurde die Festung umgebaut. Bei einem Angriff der Österreicher 1746 ergab man sich erst auf Befehl aus Genua. 1804 fiel Gavi erneut an Frankreich und wurde nach der Niederlage Napoleons 1805 durch den Wiener Kongress dem Königreich Sardinien zugeschlagen.
Bevölkerungsentwicklung
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Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Forte di Gavi, zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert von der Republik Genua errichtete Renaissance-Festung. Sie hat einen sternenförmigen Grundriss mit sechs Bastionen, die mit Kurtinen verbunden sind. Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts desarmierte Festung wurde anschließend als Gefängnis genutzt und diente in den zwei Weltkriegen als Kriegsgefangenenlager.
- Kirche San Giacomo, um 1165 erbaute Pfarrkirche. Der ursprünglich romanische Bau wurde später barockisiert.
- Die Marienwallfahrtskirchen Nostra Signora delle Grazie und Nostra Signora della Guardia. Letztere befindet sich in aussichtsreicher Lage auf einem Hügel über dem Ort.[2]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ort lebt hauptsächlich vom Tourismus und wenigen ortsansässigen Kleinbetrieben. Landwirtschaftlich ist der Weinanbau dominierend, in der Gegend von Gavi wird der gleichnamige Weißwein Cortese di Gavi angebaut.
Kommunale Einrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kleinstadt besitzt eine Bibliothek, einen Kindergarten, eine Grundschule und eine staatliche weiterführende Schule. Außerdem gibt es zwei Apotheken, einen Campingplatz und ein Freibad.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Giuseppe Boffito (1869–1944), italienischer Gelehrter, Bibliograph und Wissenschaftshistoriker
- Andrea Carrea (1924–2013), Radprofi.
- Enzo Traverso (* 1957), Historiker und Philosoph
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dizionario di Toponomastica: Storia e significato dei nomi geografici italiani. Garzanti, Mailand 1996, ISBN 88-11-30500-4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Artikel zur Geschichte von Gavi (deutsch)
- Informationen bei piemonteweb.it (italienisch)
- Informationen bei comuni-italiani.it (italienisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2024. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2024).
- 1 2 Gavi. In: touringclub.it. Abgerufen am 8. März 2026 (italienisch).
- ↑ Cartular Rheinau, Nr. 12, S. 17.
- ↑ Dizionario di Toponomastica: Storia e significato dei nomi geografici italiani. S. 299.
