Der freigebige Baum
Der freigebige Baum (englischer Originaltitel The Giving Tree) ist ein Bilderbuch des US-amerikanischen Künstlers Shel Silverstein, das 1964 mit Silversteins eigenen Illustrationen beim Verlag HarperCollins veröffentlicht wurde. Die deutsche Erstausgabe in einer Übersetzung von Franz Hohler[1] erschien 1987 beim Verlag Middelhauve.[2] 2004 wurde das Buch unter dem neuen deutschen Titel Der glückliche Baum herausgegeben[2] und 2010 erschien eine aktualisierte Ausgabe unter dem Titel Der Baum, der sich nicht lumpen ließ.[3]
Inhalt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein kleiner Junge und ein Apfelbaum sind beste Freunde: Jeden Tag kommt der Kleine zum Baum, spielt mit seinen Blättern, klettert auf ihm hoch, schaukelt in seinen Ästen, isst seine Früchte, spielt mit ihm Verstecken oder ruht sich in seinem Schatten aus. Der Junge liebt den Baum und dieser ist glücklich.
Doch der Bub wächst heran und sein Interesse am Baum lässt kontinuierlich nach. Der Baum ist dadurch oft allein und traurig. Als der mittlerweile um einiges gewachsene Junge wieder einmal am Baum vorbeikommt, lädt ihn dieser zum Klettern ein. Doch der Junge antwortet, dass er keine Lust habe und dass er dringend Geld benötige, um Dinge zu kaufen, die ihm Spaß machen. Daraufhin bietet ihm der Baum all seine Äpfel an, damit der Junge diese verkaufen und so zu Geld kommen könne.
Wieder lässt sich der Junge längere Zeit nicht blicken und erst als er bereits erwachsen ist, schaut er wieder beim Baum vorbei. Dieser lädt ihn erneut zum Klettern ein, doch der Mann antwortet nur, dass er ein Haus haben wolle, um darin zu wohnen und eine Familie zu gründen. Daraufhin bietet ihm der Baum all seine Äste an, damit er sich mit diesen ein Haus bauen könne.
Die Geschichte wiederholt sich einige Jahre später und als der Mann im bereits mittleren Alter dem Baum entgegnet, dass er keine Lust zum Spielen habe, sondern ein Schiff möchte, um weit wegzufahren, stellt ihm der Baum seinen Stamm zur Verfügung. Daraus könne er sich sodann ein Schiff bauen. So bleibt von dem Baum nur noch ein kleiner Baumstumpf übrig. Er ist nicht mehr ganz so glücklich.
Das Buch endet damit, dass der Mann bereits ein alter Greis geworden ist. Der Baum ist betrübt, dass er dem alten Mann nichts mehr anbieten könne. Als dieser ihm berichtet, dass er alt, schwach und müde sei, bietet ihm der Baum seinen Baumstumpf zum Sitzen an. Der Greis ruht sich daraufhin dort aus – und der Baum ist glücklich.
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kaylee Davis schreibt in ihrer Buchrezension: „Egal was man von der Geschichte hält – ob man sie traurig und beunruhigend findet oder als Gleichnis selbstloser Elternliebe versteht. Die zwei Millionen Exemplare, die von diesem schlichten und doch so kraftvollen Buch über das Geben verkauft wurden, sind ein unhintergehbares Faktum.“[2] Bei manchen Kritikern kam das Buch deshalb nicht so gut an, weil es sich aufgrund seines etwas deprimierenden Themas weder Kinder- noch Erwachsenenliteratur eindeutig zuordnen ließ.[4]
Besonderheiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Buch wurde vom Verlag Simon & Schuster als ‚zu rührselig‘ abgelehnt. Tomi Ungerer war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich Silverstein von dieser Absage nicht beirren ließ und es bei Harper & Row nochmals versuchte.[5] Sein Buch entwickelte sich nach der dortigen Veröffentlichung in kleiner Auflage schon bald zu einem Bilderbuchklassiker im englischsprachigen Raum, der seit seiner Erstausgabe 1964 immer wieder neu aufgelegt wurde.[2]
Der Name der US-amerikanischen Rockband The Giving Tree Band geht laut eigenen Angaben auf Silversteins Bilderbuchklassiker zurück.[6]
Referenzen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der freigebige Baum ist in dem literarischen Nachschlagewerk 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! für die Altersstufe 5+ Jahre enthalten.[2]
Adaptionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Geschichte wurde erstmals 1973 und ein weiteres mal 2015 jeweils mit dem Titel The Giving Tree zu einem Kurz-Animationsfilm verarbeitet.
Ausgaben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- The Giving Tree. Harper & Row, USA 1964 (englisch).
- Der freigebige Baum. Middelhauve, Köln 1987, ISBN 3-7876-9251-7 (Übersetzer Franz Hohler).
- Der glückliche Baum. Eine Geschichte vom Leben und Lieben. Coppenrath, Münster 2004, ISBN 3-8157-3199-2 (Übersetzerin Kristina Franke).
- Der Baum, der sich nicht lumpen ließ. Kein & Aber, Zürich 2010, ISBN 978-3-0369-5276-5 (Übersetzer Harry Rowohlt).
- Der Baum, der froh und glücklich war. Atrium Verlag, Zürich 2019, ISBN 978-3-85535-636-2 (Übersetzerin Judith Holofernes).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Der freigebige Baum / Shel Silverstein. Dt. von Franz Hohler. In: DNB. Abgerufen am 13. Mai 2026.
- 1 2 3 4 5 Julia Eccleshare (Hrsg.): 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! 1. Auflage. Edition Olms, Zürich 2010, ISBN 978-3-283-01119-2 (960 S., librarything.com).
- ↑ Der Baum, der sich nicht lumpen ließ / Shel Silverstein. Dt. von Harry Rowohlt. In: DNB. Abgerufen am 13. Mai 2026.
- ↑ Theresa L. Stowell: Shel Silverstein. In: Critical Survey of Children's Literature: Biographies. 5. Januar 2022 (englisch).
- ↑ Angela Andaloro: Shel Silverstein Wrote Poems for 'Playboy' Before Finding Success as a Children's Book Author. People, 23. Februar 2026, abgerufen am 13. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Giving Tree Band takes story to heart. In: The Free Library. Farlex, 2010, abgerufen am 13. Mai 2026 (englisch).