Decoder (Film)
| Film | |
| Titel | Decoder |
|---|---|
| Produktionsland | Westdeutschland |
| Originalsprache | Deutsch, Englisch, Portugiesisch |
| Erscheinungsjahr | 1984 |
| Länge | 87 Minuten |
| Altersfreigabe |
|
| Stab | |
| Regie | Muscha |
| Drehbuch | Klaus Maeck Volker Schäfer Trini Trimpop |
| Produktion | Muscha Klaus Maeck Volker Schäfer Trini Trimpop |
| Musik | Dave Ball, Genesis P-Orridge, FM Einheit |
| Kamera | Johanna Heer (Assistenz Andreas Thiel) u. a. |
| Schnitt | Muscha Klaus Maeck Volker Schäfer Eva Will |
| Besetzung | |
| |
Decoder ist ein Film über Cyberpunk und Gegenkultur aus dem Jahr 1984. Die Dreharbeiten fanden im Dezember 1982 in Hamburg statt.[1] Regie führte Muscha, der auch das Drehbuch zusammen mit Klaus Maeck, Volker Schäfer und Trini Trimpop schrieb. Der Film basiert grob auf dem Buch The Job, geschrieben von William S. Burroughs, der ebenfalls im Film auftritt.[2]
Bill Rice spielt Jäger, einen Agenten der Regierung, der angeheuert wurde, um Dissidenten zu unterdrücken. FM Einheit stellt den Angestellten eines Hamburger-Schnellrestaurants namens H-Burger dar, der entdeckt, dass es durch Änderung von Dudelbeschallung (Muzak) zu Industrial-Geräuschen möglich ist, Unruhen und eine Revolution gegen eine drohende autoritäre Regierung auszulösen. Diese Utopie basiert auf Burroughs’ Idee der Electronic Revolution.
Decoder wurde nur mit kleinem Budget gedreht. Die Produzenten waren jedoch in der Lage, eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten der Gegenkultur- und Industrialszene für das Projekt zu gewinnen. Neben FM Einheit wirkten Genesis P-Orridge und Christiane F. als Schauspieler mit. William S. Burroughs selbst hat als „alter Mann“ einen Auftritt.
Der Soundtrack kam zum einen von Soft Cells Dave Ball und P-Orridge von Psychic TV. Die in der Filmhandlung erzeugte Industrial-Musik stammt von FM Einheit, zusammen mit Jon Caffery und Alexander Hacke (als Alexander von Borsig, der auch als „Pirat“ im Film erscheint). Von deren jungen Bands Psychic TV, Soft Cell und Einstürzende Neubauten, sowie Matt Johnson (The The) kamen zusätzlich Songs.[3] Außerdem hört man ein Stück der Danceband Blue Rondo a la Turk.[4]
Soundtrack
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Soundtrack wurde von Klaus Maeck und Muscha produziert, erschien 1984 als LP und 1992 auf CD beim Hamburger Indie-Label What’s So Funny About.[5]
| Interpret | Titel |
|---|---|
| Dave Ball, Genesis P-Orridge | Muzak for Frogs |
| Matt Johnson | Three Orange Kisses from Kazan[6] |
| Dave Ball, Genesis P-Orridge | Dream |
| Dave Ball, Genesis P-Orridge | Main Theme |
| Dave Ball, Genesis P-Orridge | Sex & The Married Frog |
| FM Einheit, Jon Caffery | Riots |
| Genesis P-Orridge | Information[7] |
| FM Einheit, Jon Caffery, Alexander von Borsig | Muzak Decoding/Dream Machine/Pirates |
| Einstürzende Neubauten | Compressed Metal[8] |
| Dave Ball, Genesis P-Orridge | Main Theme – Finale |
Video und Blu-Ray
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]VHS
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film ist in vier Ländern auf VHS erschienen: Deutschland, Großbritannien, Italien und Japan.[9]
DVD
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf DVD wurde der Film jeweils als CD/DVD-Set mit Soundtrack in Großbritannien am 15. Dezember 2009,[10] in Amerika am 16. Februar 2010[11] und seit dem 29. Juli 2014[12] in Deutschland veröffentlicht. Für Italien ist seit 2011 eine DVD-Edition angekündigt.[9]
Blu-Ray
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 28. Juli 2025 wurde der Film als Blu-Ray in dreifacher Ausführung in einem auf 333 Exemplare limitierten Mediabook mit unterschiedlichen Cover-Motiven im Verlag Camera Obscura herausgebracht.[13][14]
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]„Es geht um Manipulation des Menschen durch und mit Tönen, kurz, um funktionelle Musik, Muzak, – sagt Muscha. Was ist Muzak? Töne im Fahrstuhl, Crusaders in der Torten-Boutique von Karstadt, Hazy Osterwald bei Edeka …? Hierzu vielleicht einige Reflexionen kompetenter Analytiker zur Wirkung des Tons: Der Münchner Anthroposoph Fritz Büchtger glaubte, daß Musik Spiegelung einer höheren Ordnung ist ‚… einer inneren Welt geistiger Wesenheit, in der jeder Mensch in seinem Unterbewußtsein lebt.‘ Alexander Skrjabin hüllte sein ‚Poeme de l’ecstase‘ in den Themenkreis aktiv und passiv … Der aktive Kreis beinhaltet Willen, Selbstbehauptung und Protest, der passive Sehnsucht, Traum und Schweben. Die Frage, warum Musik überhaupt existiert, scheint den meisten überflüssig, viele antworten, Musik sei zur Entspannung, zum ästhetischen Genuß, zur Überbrückung von Langeweile, zur geistigen Erhebung, zur Erbauung. Trotzdem ist unbestritten, daß darüber hinaus in Werken klassischer Musik, aber auch in den archaischen Musikkulturen Asiens und Afrikas eine geistige Kraft erfahrbar ist, welche die Grenze des Normalbewußtseins sprengen kann. Solche Töne und andere (Muzak) können brachliegende und latente Wünsche des Individuums wecken, wenn die Grundbedingungen, richtige Aufnahmebereitschaft und ein geeignetes Klima, vorhanden sind. F.M., der DECODER, hat diese Zusammenhänge durchschaut, ist gefeit vor einem Rückfall in regressive, manisch-myatische Zustände. Er schneidet Töne der Berieselungsmusik aus Kaufhäusern, Fast-Food-Palästen auf Band. Er zerhackt die Sounds, dechifriert und decodiert sie, er entdeckt die psychologische Strategie dieser Muzak, den Zusammenhang zwischen akustischem Junk und Plastiknahrung.“
„Was Muscha nicht mag, ist Überintellektualisierung im Film. ‚Wichtig war‘, sagt er zu DECODER, ‚die Story so zu zerstören, daß es keine sozialkritische Bilderbuchgeschichte wird.‘ … auf Regisseure des Deutschen Films angesprochen: ‚Ich würde Leuten wie Wenders eher empfehlen, einen Fotoband mit Essays rauszugeben … Schlöndorff … das ist wie die Revolution mit einem trockenen Martini in der Hand vom Balkon aus beobachten und dann sagen: Ich war dabei.‘ Muscha macht nicht nur Film, er lebt Film. ‚Reproduzierte Gefühle haben mich immer schon mehr berührt als Allerweltsgefühle. Die Realität interessiert mich einen Scheißdreck. Es ist so, als stünde ich immer in einer Inszenierung, die ich gerade mache.‘ Das obsessive Verhältnis zur Welt der bewegten Bilder strahlt auch auf die Arbeit aus. DECODER ist sehr konzentriert. Der Film klingt, thrillt, leuchtet. … Ein Leckerbissen für Augenmenschen. Jeder der Hauptpersonen wird eine eigene Lichtfarbe zugewiesen. Andere Lichtideen lassen Räume (etwa bei den Feierlichkeiten der Stadtpiraten) in Architekturen von Feuer und Licht neu erstehen oder spielen mit auf Körper und Gesichter projezierten [sic] Bildern. Lust an schönen, heftigen Bildern, Illumination. ‚Ist mir im Grunde egal, über welches Thema ein Film geht‘, sagt Muscha. Mir fällt ein Satz von Hitchcock ein: ‚Alles, was ich will, ist, die Leute mit technischen Mitteln zum Schreien zu bringen.‘“
„Ein ‚Decoder‘ hier: Tönezersetzer sucht an seinem Mischpult nach neuen Tönen, um gegen die Berieselung der manipulativen funktionellen Musik ‚Muzak‘ eine akustische Waffe zu finden. Er verbündet sich dazu mit einer Stadtguerilla und überwirft sich mit seiner Freundin, die in einer Peep-Show arbeitet. Eine an sich reizvolle Thematik – mögliche Macht und Kontrollfunktion von Tönen in einem Überwachungsstaat – gerät zu einer formal aufdringlichen, unausgegorenen Mischung aus Punk-Anarchie, Krimi und Video- plus Ton-Experimenten, angereichert mit zynischer Tierquälerei.“
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Klaus Maeck, Walter Hartmann: DECODER-Handbuch – Muzak, Cut-Ups, Piraten, Frogs, Burger, Der Film. TRIKONT Verlag, Duisburg 1984, ISBN 3-88974-100-2.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Jack Sargeant: An Interview with Klaus Maeck. Excerpt from "Naked Lens" – Beat Cinema © Creation Books. In: decoder.cultd.net. Klaus Maeck et al., 1997, abgerufen am 22. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Publius: Time Capsule of Almost Forgotten Films: DECODER (Muscha) [1984]. In: forgottenoldfilms.blogspot.com. 12. Juni 2011, abgerufen am 22. Juni 2026.
- ↑ Motherboard ( vom 13. Januar 2014 im Internet Archive), VICE.
- ↑ „Klactovedsedsteen“ von dem Album Chewing the Fat von 1982, Chewing the Fat bei Discogs.
- ↑ „Decoder (Soundtrack from the Motion Picture)“ von Verschiedene Interpreten. 1. Januar 1984, abgerufen am 8. Oktober 2023 (deutsch).
- ↑ The The, erste Single, bzw. EP Uncertain Smile von 1982, Uncertain Smile bei Discogs.
- ↑ Aus dem 1982 erschienenen Album von Psychic TV, Force the Hand of Chance, Force the Hand of Chance bei Discogs.
- ↑ Erschien „½“ unter eigenem Namen zuerst auf einer Fanclub-Musicassette der Einstürzenden Neubauten von 1986, regulär 1993 auf der Kompilation Verbrannte Erde (Frühe Aufnahmen 1981−1986), Verbrannte Erde bei Discogs.
- 1 2 decoder : stations. Abgerufen am 8. Oktober 2023.
- ↑ Muscha: Decoder. Cobraside, 15. Dezember 2009, abgerufen am 8. Oktober 2023.
- ↑ Muscha: Decoder. Transparency, 15. Dezember 2009, abgerufen am 8. Oktober 2023.
- ↑ Muscha: Decoder. Salzgeber & Co. Medien GmbH, 29. Juli 2014, abgerufen am 8. Oktober 2023.
- ↑ Underground-Kultfilm aus den 80er-Jahren: "Decoder" kommt hierzulande erstmals auf Blu-ray heraus. bluray-disc.de, 8. Juli 2025, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Decoder (Limited Edition Blu-Ray Mediabook). cameraobscurafilms.de, abgerufen am 25. November 2025.
- 1 2 34. Internationale Filmfestspiele Berlin
- ↑ Kabel eins (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)