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Arawak

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Arawak-Frau (Zeichnung von John Gabriel Stedman, 1818) mit Kweju als einziger Körperbedeckung

Der Name Arawak, auch Aruak oder Arawaken, ist ein historisches Exonym ungeklärter Herkunft für verschiedene indigene Völker im Norden Südamerikas und in der Karibik. Ursprünglich bezeichnete der Name im 16. und 17. Jahrhundert ausschließlich die heutigen Lokono, deren Name in der eigenen Sprache „Menschen“ bedeutet, an der Atlantikküste der Region Guayana. Im späten 19. Jahrhundert weiteten Anthropologen und Linguisten den Begriff auf weitere Ethnien aus. Seither bezeichnet er auch die präkolumbischen Kulturen der Großen Antillen (insbesondere die Taíno, oft vereinfacht als „Insel-Arawaken“ bezeichnet) sowie in der Linguistik die arawakische Sprachfamilie (auch Maipuranisch).

Die Bezeichnung Aruak oder Arawak wurde mit dem Lokono-Wort haro[1] (auch harho oder aru) für Maniok-Stärke bzw. Maniok-Mehl in Zusammenhang gebracht und als „Maniok-Esser“ interpretiert, da die Knolle das Hauptnahrungsmittel der Region darstellte. Andere Erklärungsversuche verbinden das Wort mit arhoa, „Jaguar“ oder auch mit einem historischen Ortsnamen am Orinoco, Aruacay.[2]

Der Begriff wurde von den spanischen Kolonisten als Bezeichnung für die arawakisch-sprachigen Lokono entlang der Nordostküste Südamerikas verwendet und im 19. Jahrhundert auf die sprachlich eng verwandten Taíno auf den Großen Antillen und Bahamas (Lucayan), die Nepoya und Suppoyo auf Trinidad und die Igneri auf den Kleinen Antillen ausgeweitet. Schließlich wurde der Name für alle Ethnien übernommen, die Arawak-Sprachen sprechen.[3]

Während die Sprache der ursprünglich als Arawak bezeichneten Lokono, das Lokono Dian (Arawakisch, ISO 639: ARW), vom Aussterben bedroht ist und nur noch von etwa 700 Menschen in Suriname und 1500 in Guyana gesprochen wird, gehören zu den Arawak-Sprachen auch noch einige recht vitale Sprachen wie das Wayuunaiki der Wayuu auf der Guajira-Halbinsel (Venezuela, Kolumbien) oder auch die Sprachen der Ashaninka und Machiguenga in Peru und das Moxo in Bolivien.

Von besonderer Bedeutung war in der ethnischen Religion der Arawaken ein dreieckiger, eingekerbter, zemi („heilig“) genannter – wohl einen Berg bzw. Vulkan symbolisierender – Stein, der die hierarchische Position des Schutzgottes für jeden Haushalt bezeichnete, aber auch für Götter, Götterbilder, Verstorbene und die kosmischen Mächte stand. Ähnliche Symbole gab es in Haiti, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik. Zemí entspricht in etwa dem Wak'a (huaca) in den Anden. Man verwendete das Symbol bei einem Ritual, bei dem rituelle Spezialisten mit einem Halluzinogen versetzten Tabak schnupften und in Trance die Zukunft weissagten, indem sie so mit dem zemí in Verbindung traten.[4]

Siedlungsgebiet

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Heutzutage existieren Arawak-Ethnien nur noch auf dem amerikanischen Festland. An der Karibikküste von Honduras, Guatemala und Belize sprechen etwa 130.000 Garifuna, welche aus der Vermischung von Inselkariben, den von diesen einst unterworfenen Igneri-Arawak und geflüchteten afroamerikanischen Sklaven entstanden sind, eine weiterentwickelte Form der Igneri-Sprache. Auf der Guajira-Halbinsel, die zu Kolumbien und Venezuela gehört, leben etwa 140.000 Wayuu, die zu den Arawak zählen.

Arawak-Frau (Zeichnung, um 1830) mit Kweju

Lebensweise vor 1500

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Die Arawak lebten in dörflichen Kommunen und bauten unter anderem Getreide, Süßkartoffeln und Maniok an. Sie konnten z. B. spinnen und weben, hielten allerdings keine Nutztiere und verfügten über kein Eisen.[5]

Nach Ankunft der Spanier

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Arawak und Kariben waren die ersten amerikanischen Völker, die in Kontakt mit Europäern kamen. Während die Kariben von den Spaniern als kriegerisch charakterisiert wurden, galten die Arawak als allgemein friedliebend. Kolumbus beschrieb sie als naiv und hielt im Logbuch fest: „Sie bieten jedem an [ihre Güter] zu teilen“.[5] Erste Begegnungen mit dem Seefahrer in spanischen Diensten Christoph Kolumbus 1492 verliefen friedlich, die Arawak boten den Seefahrern laut dem Logbuch von Kolumbus unter anderem Baumwolle an, und die Seefahrer tauschten unter anderem Glasperlen ein.

Kolumbus brachte einige Arawak nach Spanien und schlug vor, die neu entdeckten Gebiete für Sklavenjagden zu nutzen. Die spanische Krone verbot zwar die Sklaverei, erlaubte aber die Dienstpflicht (encomienda) und konnte auch das brutale Vorgehen spanischer Kolonisten nicht verhindern. In den folgenden Jahren dezimierten kriegerische Auseinandersetzungen, Unterdrückung und vor allem die aus Europa und Afrika eingeschleppten Krankheiten die Zahl der Arawak auf den Inseln der Karibik drastisch. 1515 hatte sich ihre Zahl in Haiti von rund 250.000 auf geschätzt 50.000 reduziert, 1550 waren es noch rund 500 Menschen. Ein Bericht von 1650 stellte keine verbliebenen Arawak fest.[6]

Dass es auf den Inseln vor allem in der Anfangszeit fast keine spanischen Frauen gab, förderte andererseits auch die (freiwillige oder erzwungene) Vermischung von Spaniern und Arawak-Frauen. Auf Hispaniola, Puerto Rico und anderen karibischen Inseln leben heute viele Nachkommen aus solchen Verbindungen.[7][8]

Auf dem südamerikanischen Festland leben heute noch viele Arawak-Gruppen.

  • Max Schmidt: Die Aruaken. Ein Beitrag zum Problem der Kulturverbreitung. Veit & Co., Leipzig 1917. (Digitalisat, Biblioteca Digital Curt Nimuendajú).
Commons: Arawak – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Lexikoneintrag: Arawak. In: The Columbia Encyclopedia. 6. Auflage. Columbia University Press, ohne Datum.
  • Stephen D. Glazier: Caribbean Religions: Pre-Columbian Religions. In: Encyclopedia of Religion. Thomson Gale, USA 2005, original: 1987 (mit ausführlichen Informationen zu den Arawak).
  • Noble David Cook: Taino (Arawak) Indians. In: Encyclopedia of Genocide and Crimes Against Humanity. Gale Group, USA 2005.

Einzelnachweise

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  1. John Peter Bennett: Arawak-English Dictionary With an English word-list. Walter Roth Museum of Anthropology, Georgetown 1989. haro, n. starch, S. 13.
  2. Marie-France Patte: Arawak vs. Lokono. What’s in a name? In: Nicholas Faraclas et al. In a sea of heteroglossia, FPI - UNA, pp.75-86, 2010. ⟨halshs-00696103⟩. from Guianese Arawak aru, today harho, 'manioc starch', S. 4.
  3. Encyclopædia Britannica, Volume 2. London 1911, Eintrag Arawak.
  4. Michael D. Coe (Hrsg.), Dean Snow, Elizabeth Benson: Weltatlas der alten Kulturen: Amerika vor Kolumbus. Geschichte, Kunst Lebensformen. Christian, München 1986, ISBN 3-88472-107-0, S. 161/162.
  5. 1 2 Howard Zinn: A People’s History of the United States: 1942-present. Harper Perennial Modern Classics, New York 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 3.
  6. Howard Zinn: A People’s History of the United States: 1942-present. Harper Perennial Modern Classics, New York 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 5.
  7. Lizzie Wade: Genes of ‘extinct’ Caribbean islanders found in living people. 19. Februar 2018, abgerufen am 24. Juli 2021.
  8. Gillian Brockell: Here are the indigenous people Christopher Columbus and his men could not annihilate. In: washingtonpost.com. 14. Oktober 2019, abgerufen am 24. Juli 2021.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Arawak (Memento vom 1. Juli 2010 im Internet Archive) aus der freien Enzyklopädie Indianer-Wiki (Memento vom 18. März 2010 im Internet Archive) und steht unter Creative Commons by-sa 3.0. Im Indianer-Wiki war eine Liste der Autoren (Memento vom 1. Juli 2007 im Internet Archive) verfügbar.