Angriff auf Charg 2026
Der Angriff auf Charg 2026 war ein Luftschlag im Rahmen des Irankriegs 2026 der Vereinigten Staaten auf die dem Iran vorgelagerte Insel Charg im Persischen Golf, der am 13. März 2026 durchgeführt wurde. Die Insel beherbergt das wichtigste Öl-Terminal des Landes.[1]
Hintergrund
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Charg liegt rund 30 Kilometer vor der iranischen Küste im nördlichen Persischen Golf. Über das dortige Öl-Terminal werden laut DW-Bericht etwa 90 Prozent der iranischen Rohölexporte abgewickelt. Seit Beginn des Krieges 2026 blockierten die iranischen Revolutionsgarden die Straße von Hormus für westliche Tanker.[2] Die Insel befindet sich innerhalb der Reichweite iranischer Raketen- und Drohnensysteme.[3] Die Insel war in den 1980er Jahren während des Iran-Irak-Krieges Ziel intensiver Luftangriffe durch das irakische Baath-Regime unter Saddam Hussein. Die Streitkräfte des Irak bombardierten damals wiederholt die ölwirtschaftliche Infrastruktur der Insel und fügten ihr erhebliche Schäden zu.[4] Im Zuge der Geiselnahme von Teheran hatte der spätere US-Admiral James Lyons bereits 1979 eine amerikanische Einnahme der Insel vorgeschlagen. Der Plan war damals verworfen worden.[5]
Verlauf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das regionale US-Zentralkommando (CENTCOM) griff nach Angaben der US-Regierung alle militärischen Ziele auf der Insel an. Die iranische Nachrichtenagentur Fars bestätigte, dass die Öl-Infrastruktur bei den Angriffen verschont geblieben sei. Gleichzeitig drohte die iranische Armee, bei Angriffen auf Öl-Anlagen weltweit Einrichtungen von Unternehmen anzugreifen, die sich im Besitz der Vereinigten Staaten befänden oder mit ihnen kooperierten. Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump wurden sämtliche militärischen Ziele auf der Insel angegriffen, während iranische Stellen dem widersprachen.[2]
Am 20. März 2026 berichtete die US-Nachrichtenwebsite Axios, dass Trump erwog, Charg zu blockieren oder zu besetzen, um den Iran zu zwingen, Schiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu gestatten.[6]
Ende März 2026 äußerte sich Trump in einem Interview mit der Financial Times vage zu möglichen US-Militäroptionen gegenüber der Islamischen Republik Iran. Er nannte dabei unter anderem die mögliche Einnahme der iranischen Insel Charg und verwies auf einen potenziell längerfristigen Truppenaufenthalt. Zudem sprach er sich dafür aus, die Kontrolle über iranische Erdölressourcen zu übernehmen, ohne konkrete politische Schritte zu benennen.[7] Trump drohte, im Falle einer Blockade der Straße von Hormus und ausbleibender Verhandlungen militärische Maßnahmen gegen die Insel sowie gegebenenfalls gegen weitere Einrichtungen des Iran zu ergreifen.[8]
Am 9. Mai 2026 veröffentlichte die NGO Conflict and Environment Observatory (CEOBS) Satellitenbilder, die einen Ölteppich im Bereich der Insel zeigen. Basierend auf Analysen der Satellitenaufnahmen durch das Unternehmen Orbital EOS berichtete die New York Times, dass sich der Ölteppich am Donnerstag, 7. Mai 2026 auf mehr als 50 Quadratkilometer erstreckte. Es könne sich um „mehr als 3.000 Barrel Öl“ handeln. CEOBS zufolge treibt der Ölfleck südwärts.[9]
Bewertungen und Experteneinschätzungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Laut The New York Times zeichnet sich die Insel durch für Supertanker ausreichende Wassertiefen sowie durch umfangreiche Speicher- und Pipelineinfrastrukturen aus, die sie mit bedeutenden iranischen Fördergebieten verbinden. China stellte zuletzt den primären Abnehmer der über die Insel exportierten Rohölmengen dar. Aufgrund dieser zentralen Funktion im iranischen Energiesystem wird die Insel im Kontext des Irankrieges als potenzielles strategisches Ziel der Vereinigte Staaten und Israel bewertet. Ein Angriff auf die dortige Energieinfrastruktur würde jedoch nach Einschätzung der Zeitung das Risiko eines erheblichen Anstiegs der globalen Ölpreise erhöhen, da Iran weiterhin in der Lage ist, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus maßgeblich zu beeinflussen. Weitere militärische Operationen gegen die Insel könnten zwar die Handlungsfähigkeit der iranischen Regierung beeinträchtigen, zugleich aber die Wahrscheinlichkeit umfassender iranischer Gegenmaßnahmen gegen energiebezogene Ziele in der Region erhöhen.[10] Die Zeit bezeichnet die Insel als einen strategisch besonders sensiblen Ort, da über sie ein Großteil der iranischen Ölexporte abgewickelt werde. Nach den US-Luftangriffen unter Donald Trump werde die Insel damit erneut zum geopolitischen Brennpunkt. Der Beitrag hebt hervor, dass die Angriffe offenbar begrenzt ausgefallen seien und wichtige Infrastruktur wie Pipelines und Verladeterminals nicht zerstört worden seien. Zugleich verweist Die Zeit auf die langfristige strategische Bedeutung der Insel und beschreibt sie als mögliche Falle für militärische Interventionsversuche.[11]
Laut Joseph Votel, dem ehemaligen Kommandant des US-Zentralkommandos, sei eine Landung von Bodentruppen grundsätzlich möglich. Für eine solche Operation könne ein Bataillon von 800 bis 1.000 Soldaten ausreichen, wobei die in die Region verlegte 31st Marine Expeditionary Unit mit rund 2.200 Marineinfanteristen die dafür benötigten Kapazitäten bereitstelle. Logistische Maßnahmen wie Versorgung, Verwundetenabtransport und Schutz der Nachschublinien würden die Operation komplex gestalten. Zusätzlich bestünden Risiken durch Drohnenangriffe, Antischiffsraketen und Schnellboote. Ein längerfristiger Einsatz würde Ressourcen binden, die die Vereinigten Staaten in anderen Regionen, etwa im Indopazifik oder in Europa, für Abschreckung oder Unterstützung von Partnern nutzen. Internationale Beobachter, darunter China, verfolgten die Entwicklungen, um Informationen über amerikanische Einsatzstrategien und Verwundbarkeiten zu gewinnen.[3] Laut Ilan Goldenberg, Senior Vice President und Chief Policy Officer der Organisation J Street und früherer Nahostberater von Kamala Harris, sei eine amphibische oder luftgestützte Operation denkbar, da die Insel für Teheran schwerer zu verteidigen sei. Zugleich verwies er auf erhebliche Risiken: Eine Besetzung wäre für die US-Streitkräfte wesentlich gefährlicher als Luftschläge, könnte die Ölpreise weiter erhöhen und die Wirkung von Sanktionserleichterungen abschwächen. Zudem sei ungewiss, ob wirtschaftlicher Druck das iranische Regime tatsächlich zu einem Kurswechsel bewegen könne.[12]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bo Erickson, Parisa Hafezi, Maya Gebeily, Jarrett Renshaw: Trump says US struck military targets on Iran's Kharg Island oil hub. In: reuters.com. 13. März 2026, abgerufen am 23. März 2026.
- 1 2 USA attackieren Irans "Kronjuwel" - Revolutionsgarde schäumt. In: dw.com. 14. März 2026, abgerufen am 23. März 2026.
- 1 2 Tobias Schibilla: Dieser Angriff könnte für Trump sehr teuer werden. In: t-online.de. 23. März 2026, abgerufen am 23. März 2026.
- ↑ Helene Cooper, Farnaz Fassihi, Liam Stack: U.S. Military Attacks Iran’s Oil Export Hub, Trump Says. In: nytimes.com. 13. März 2026, abgerufen am 24. März 2026.
- ↑ Winand von Petersdorff-Campen: Werden Marines die iranische Insel Kharg kapern?, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. März 2026, abgerufen am 25. März 2026
- ↑ Barak Ravid, Marc Caputo: Trump mulls risky Kharg Island takeover to force Iran to open strait. In: axios.com. 20. März 2026, abgerufen am 23. März 2026.
- ↑ Irans Ölquellen im Visier von US-Präsident Trump. In: dw.com. 30. März 2026, abgerufen am 30. März 2026.
- ↑ Warnung vor US-Angriff: Trump droht Iran mit „Vernichtung“ der Ölinsel Charg. In: tagesspiegel.de. 30. März 2026, abgerufen am 30. März 2026.
- ↑ Satellitenbilder zeigen Ölteppich vor Insel Charg. In: orf.at. 9. Mai 2026, abgerufen am 9. Mai 2026.
- ↑ Anton Troianovski, Rebecca F. Elliott: What to Know About Kharg Island. In: nytimes.com. 14. März 2026, abgerufen am 24. März 2026.
- ↑ Thomas Fischermann: Die gefährlichste Insel der Welt. In: zeit.de. 14. März 2026, abgerufen am 25. März 2026.
- ↑ Frauke Niemeyer: Trump bleiben nur schlechte Optionen. In: n-tv.de. 24. März 2026, abgerufen am 25. März 2026.