Albrecht Weinberg

Albrecht Weinberg (geboren 7. März 1925 in Rhauderfehn; gestorben 12. Mai 2026 in Leer) war ein deutscher Überlebender des Holocaust, der als Zeitzeuge öffentlich in Erscheinung trat.
Leben
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Albrecht Weinberg wuchs im Fehndorf Rhauderfehn in Ostfriesland in einer jüdischen Familie auf. Der Vater war Viehhändler und Schlachter. Die Eltern Flora (geb. Grünberg, Jg. 1886) und Alfred Weinberg (Jg. 1889) wurden 1942 von Berlin aus ins KZ Theresienstadt gebracht und von dort im Oktober 1944 in das KZ Auschwitz, wo sie umgebracht wurden. Albrecht Weinberg hatte einen Bruder, Dieter (Jg. 1922) und eine Schwester, Friedel (Jg. 1923). Alle drei Geschwister überlebten das KZ Auschwitz. Der Bruder starb 1946 bei einem Unfall im heimischen Leer (Ostfriesland).
Die Familie musste bereits 1936 vom Land in die nächstgrößere Stadt Leer ziehen, weil die Kinder nicht mehr die reguläre Schule besuchen durften. In Leer besuchten sie die jüdische Schule.[1] Nach den Novemberpogromen 1938 wurden Albrecht Weinberg und seine Schwester Friedel auf das schlesische Landgut Groß Breesen geschickt. Dort vermittelte die Hachschara-Bewegung jüdischen Jugendlichen Grundkenntnisse der Landwirtschaft für die spätere Alija nach Palästina. Doch als die Auswanderung dorthin erfolgen sollte, war es Juden schon untersagt, Deutschland zu verlassen. Die Geschwister mussten später bei Berlin in einem Lager bei Fürstenwalde arbeiten, mit einem Osttransport wurden sie im April 1943 ins KZ Auschwitz deportiert.[2]
Albrecht Weinberg musste zwei Jahre im KZ Buna/Monowitz arbeiten. Er überlebte drei Todesmärsche. Im Februar 1945 gelangte er ins KZ Mittelbau-Dora. Im April 1945 wurde er in Bergen-Belsen befreit, als dort die Briten ankamen. Nur wenige Familienmitglieder überlebten den Holocaust. Allein mütterlicherseits gab es vor dem Krieg neun Onkel und Tanten. Lediglich eine dieser Tanten – Marie Grünberg – konnte in den Niederlanden in einem Versteck überleben.
Zusammen mit seiner Schwester Friedel wanderte Weinberg 1947 in die USA aus. Beide heirateten nie und lebten mehr als 60 Jahre in New York. Albrecht Weinberg betrieb mit einem anderen Überlebenden des Holocaust eine Fleischerei.
1985 kamen sie auf Einladung ihrer Heimatstadt Leer erstmals wieder zu Besuch. Zahlreiche jüdische Überlebende waren zu einer Erinnerungswoche gekommen. Die Geschwister nahmen auch an weiteren Treffen teil. Nachdem die Schwester Friedel 2011 in Florida einen Schlaganfall erlitten hatte, kamen die Geschwister 2012 nach Leer zurück. Friedel Weinberg starb im Mai 2012.[3] Albrecht Weinberg berichtete bis zuletzt als Zeitzeuge in Schulen aus seinem Leben.[4]

2011 wurden in Rhauderfehn am Untenende vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus der Familie Stolpersteine verlegt.[5] In Rhauderfehn gibt es seit 2006 eine Geschwister-Weinberg-Straße. Seit 2020 gibt es eine solche auch in Leer. Albrecht Weinberg gab 2022 den Anstoß, dass in Leer Stolpersteine für Verwandte von ihm verlegt werden. Sie wurden am 22. Oktober 2022 gesetzt.[6]
Am 30. Januar 2025 gab Weinberg bekannt, dass er das ihm 2017 verliehene Bundesverdienstkreuz zurückgeben werde, um dagegen zu protestieren, dass am Vortag im Bundestag ein Entschließungsantrag der CDU/CSU zur Migrationspolitik durch die Stimmen der AfD eine Mehrheit erhalten hatte. Luigi Toscano, ein mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichneter, mit Weinberg befreundeter Fotograf, schloss sich ihm an.[7] Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte in einem persönlichen Gespräch Weinberg gegenüber Verständnis für seinen Entschluss, bat ihn allerdings, diesen noch einmal zu überdenken. Weinberg blieb aber bei seiner Entscheidung, das Bundesverdienstkreuz zurückzugeben. Am 11. Februar 2025 machte er seine Ankündigung wahr.[8]
Albrecht Weinberg starb am 12. Mai 2026 im Alter von 101 Jahren. Er wurde neben seiner Schwester und seinem Bruder auf dem jüdischen Friedhof Leer beigesetzt.[9]
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2016: Erster Ehrenbürger seines Geburtsortes Rhauderfehn
- 2017: Bundesverdienstkreuz am Bande für unermüdlichen versöhnenden Einsatz (Rückgabe 2025 erfolgt[10])
- 2020: Umbenennung des Gymnasiums Rhauderfehn in „Albrecht-Weinberg-Gymnasium“[11]
- 2023: Ernennung zum Ehrenbürger von Leer[12]
- 2023: Verleihung der Hermann-Tempel-Medaille
- 2024: Ernennung zum Ehrenbürger von Nordhausen[13]
- 2026: Die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg verleiht ab 2026 den Albrecht-Weinberg-Preis für besonderes soziales Engagement und Verdienste um die Gemeinschaft.[14]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bernd-Volker Brahms: Eine Dokumentation zur Verlegung von Stolpersteinen am 9. November 2011. Rhauderfehn 2012.
- Heinz J. Giermanns: Einer von uns: Albrecht Weinberg – Leiden an Deutschland. Rhauderfehn 2014.
- Nicolas Büchse: Mit 97 auf Klassenfahrt – Holocaust-Überlebender begleitet Schulklasse nach Israel. In: Stern, Jg. 2022, Heft 52.
- Nicolas Büchse: Albrecht Weinberg - »Damit die Erinnerung nicht verblasst wie die Nummer auf meinem Arm«. Penguin Verlag, München 2024, ISBN 978-3-328-11144-3.
- Joachim Käppner: Albrecht Weinberg über Leben. Interview. In: Süddeutsche Zeitung, 2./3. März 2024, S. 46.
Dokumentarfilme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Martin Priess: Jahrhundertzeugen – Albrecht Weinberg, eine Graphic-Novel-Erzählung in der Phoenix-Mediathek. Video (48 Min.), abrufbar bis 21. Januar 2029
- Bernd-Volker Brahms, Nicole Nocon: Interview mit Albrecht Weinberg für die Shoa Foundation. (247 Minuten), aufgezeichnet 2. Mai 2023 in Leer/Ostfriesland.
- Güner Yasemin Balcı: Die Nummer auf meinem Arm – Albrecht Weinberg und seine Geschichte. 37 Grad, ZDF, Erstausstrahlung: 4. Juni 2024, rund 30 Min. Länge, in der ARD-Mediathek abrufbar bis 4. Juni 2029.
- Stephanie Fäustel, Marion Janßen: Holocaust-Überlebender aus Leer über die AfD. ostfriesen.tv, Videoredaktion der Zeitungsgruppe Ostfriesland, aufgezeichnet am 21. Februar 2024.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kristin Hunefeld: Albrecht Weinberg ist einer der letzten Überlebenden von Bergen-Belsen. ( vom 15. April 2021 im Internet Archive) In: Radio Bremen, 14. April 2021.
- Holocaust-Überlebender Albrecht Weinberg feiert 100. Geburtstag. NDR am 7. März 2025.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Menna Hensmann (Bearb.): Dokumentation Leer 1933–1945. Stadt Leer, Leer 2001.
- ↑ Heinz J. Giermanns: Einer von uns: Albrecht Weinberg - Leiden an Deutschland. Rhauderfehn 2014.
- ↑ Weinberg Friedel – Spuren im Vest. 13. März 2024, abgerufen am 8. Juni 2024.
- ↑ Holocaust-Überlebender Albrecht Weinberg ist tot. In: NDR. 12. Mai 2026, abgerufen am 13. Mai 2026.
- ↑ Bernd-Volker Brahms: Eine Dokumentation zur Verlegung von Stolpersteinen am 9. November 2011. Rhauderfehn. 2012.
- ↑ Stolperstein-Initiative Leer: Die ersten Stolpersteine für Leer, 15 Steine für die Familien Grünberg und Cohen. Leer 2022.
- ↑ Stimmverhalten von Union und AfD im Bundestag Holocaustüberlebender Weinberg will Bundesverdienstkreuz zurückgeben. In: spiegel.de. 29. Januar 2025, abgerufen am 29. Januar 2025.
- ↑ Nach CDU-Abstimmung mit AfD - Holocaustüberlebender Weinberg gibt Bundesverdienstkreuz zurück. In: www.spiegel.de. 11. Februar 2025, abgerufen am 11. Februar 2025.
- ↑ Jonas Bothe, Carsten Ammermann: Trauer: Holocaust-Überlebender Albrecht Weinberg gestorben. In: Ostfriesen-Zeitung. 12. Mai 2026, abgerufen am 12. Mai 2026.
- ↑ Christian Hauck: Merz: Fotograf und Holocaust-Überlebender geben Verdienstkreuz ab. In: swr.de. 30. Januar 2025, abgerufen am 30. Januar 2025.
- ↑ Website des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums
- ↑ Albrecht Weinberg ist Ehrenbürger der Stadt Leer / Stadt Leer (Ostfriesland). In: leer.de. 21. September 2023, abgerufen am 12. Mai 2026.
- ↑ Kristin Müller: Kurznachrichten aus der Stadt Nordhausen. 10. Dezember 2024, abgerufen am 11. Dezember 2024.
- ↑ Jüdische Gemeinde zu Oldenburg lobt Albrecht-Weinberg-Preis aus. In: Nordwest-Zeitung. 9. März 2025, abgerufen am 10. März 2025.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weinberg, Albrecht |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Überlebender und Zeitzeuge des Holocaust |
| GEBURTSDATUM | 7. März 1925 |
| GEBURTSORT | Rhauderfehn |
| STERBEDATUM | 12. Mai 2026 |
| STERBEORT | Leer |
- Überlebender des Holocaust
- Zeitzeuge des Holocaust
- Häftling im KZ Auschwitz
- Häftling im KZ Mittelbau-Dora
- Häftling im KZ Bergen-Belsen
- Bundesverdienstkreuz zurückgegeben
- Ehrenbürger in Niedersachsen
- Person (Leer (Ostfriesland))
- Rhauderfehn
- Person, für die in Niedersachsen ein Stolperstein verlegt wurde
- Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten
- Hundertjähriger
- Deutscher
- Preuße
- Geboren 1925
- Gestorben 2026
- Mann